Ausgabe 39/2026 · Stand: Freitag, 25. September 2026 Das Fachmagazin für KI-Transformation im Mittelstand
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Business-Case

Code-Assistenz: 23.484 Euro Barwert, mit bewusst nüchternen 5 Prozent Produktivitätsgewinn

Ein Industrieunternehmen mit rund 950 Mitarbeitenden betreibt eine 40-köpfige IT. Davon entwickeln 22 Personen eigene Software: Produktionsleitsystem-Anbindungen, interne Werkzeuge, Schnittstellen. Das Unternehmen führt eine KI-Code-Assistenz ein, die Vorschläge im Editor macht und bei Code-Reviews unterstützt.

Veröffentlicht · Aktualisiert · 4 Min. Lesezeit
Ingenieurin führt in einer hellen Roboterzelle den Arm eines Leichtbauroboters von Hand an eine Position.
Erst am Bauteil zeigt sich, ob die Automatisierung den Takt hält. Symbolbild, KI-generiert für KIONIER.
Steckbrief
Branche Industrieunternehmen (Serienfertigung)
Größe rund 950 Mitarbeitende, 40-köpfige IT
Use-Case KI-Code-Assistenz für die interne Softwareentwicklung
Einmalkosten 30.000 Euro
Laufende Kosten (erwartet) 19.000 Euro pro Jahr
Amortisation (erwartet) rund 21 Monate
Barwert 3 Jahre (erwartet) 23.484 Euro

Dieser Business-Case ist eine typisierte Modellrechnung nach Arbeitshilfe C. Er beschreibt kein reales Unternehmen. Die Zahlen dienen als Startpunkt für Ihre eigene Rechnung im ROI-Rechner (/roi-rechner/).

Ausgangslage und Baseline

Ein Industrieunternehmen mit rund 950 Mitarbeitenden betreibt eine 40-köpfige IT. Davon entwickeln 22 Personen eigene Software: Produktionsleitsystem-Anbindungen, interne Werkzeuge, Schnittstellen. Das Unternehmen führt eine KI-Code-Assistenz ein, die Vorschläge im Editor macht und bei Code-Reviews unterstützt.

Die Rechnung setzt bewusst nüchtern an. Selbsteinschätzungen zu KI-Produktivität sind systematisch verzerrt. Die randomisierte METR-Studie (2025) zeigte das drastisch. Erfahrene Entwickler brauchten mit KI-Werkzeugen 19 Prozent länger. Sie selbst wähnten sich 20 Prozent schneller. Deshalb zählt hier keine Umfrage. Es zählt nur die Durchlaufzeit abgeschlossener Aufgaben aus der Versionsverwaltung. Der Pilot mit acht Entwicklern ergab daraus einen Kapazitätsgewinn von 5 Prozent.

Größe Wert Quelle
Entwickelnde Mitarbeitende 22 Organigramm IT
Produktive Stunden je Person und Jahr 1.600 Zeiterfassung
Gemessener Kapazitätsgewinn (Pilot) 5 Prozent Versionsverwaltung, Durchlaufzeit je Aufgabe
Interner Vollkostensatz Entwicklung 72 Euro je Stunde Controlling
Störungseinsätze nach Fehlern in Eigenentwicklungen 31 pro Jahr Incident-System, Vollerhebung
Kosten je Störungseinsatz 3.000 Euro Prozesskostenrechnung

Der Rechenweg

Kapazität. 22 Entwickler × 1.600 Stunden × 5 Prozent ergeben 1.760 Stunden pro Jahr. Bewertet mit 72 Euro: 126.720 Euro brutto. Die Umsetzungsquote liegt erwartet bei 45 Prozent. Gewonnene Entwicklerstunden versickern leicht in Mehraufwand für Review und Nacharbeit. Angerechnet wird nur, was als zusätzlich abgeschlossene Vorhaben im Backlog sichtbar wird.

Qualität. Die assistierten Reviews fangen Fehler früher. Der Pilot lässt 8 vermiedene Störungseinsätze pro Jahr erwarten, je 3.000 Euro: brutto 24.000 Euro. Umsetzungsquote erwartet 60 Prozent, weil nicht jeder vermiedene Fehler dem Werkzeug zuzuordnen ist.

Parallel zur Einführung wurde die Build-Pipeline erneuert, die ebenfalls Durchlaufzeiten verkürzt. Der Zurechnungsanteil ist deshalb niedriger angesetzt als üblich. Er liegt erwartet bei 65 Prozent, vorsichtig 50, optimistisch 80. Die laufenden Kosten von erwartet 19.000 Euro decken Lizenzen für 22 Plätze (rund 12.000 Euro). Dazu kommen Richtlinienpflege, Sicherheitsprüfung der Vorschläge und Schulung (rund 7.000 Euro).

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}

Im erwarteten Fall summiert sich der anrechenbare Nutzen auf 46.426 Euro pro Jahr. Nach Abzug der laufenden Kosten bleiben 27.426 Euro Nettonutzen ab dem zweiten Jahr. Das erste Jahr trägt mit Anlauffaktor 8.855 Euro. Die Einmalkosten von 30.000 Euro sind nach rund 21 Monaten verdient. Der Barwert über drei Jahre liegt bei 23.484 Euro. Im vorsichtigen Fall wird der Nettonutzen mit −2.360 Euro negativ; der Barwert fällt auf −43.726 Euro.

Die drei Szenarien

Kennzahl vorsichtig erwartet optimistisch
Anrechenbarer Nutzen pro Jahr 20.640 € 46.426 € 81.254 €
Nettonutzen Jahr 1 (mit Anlauf) −10.616 € 8.855 € 64.254 €
Nettonutzen voll (Jahr 2 und 3) −2.360 € 27.426 € 64.254 €
Amortisation nicht in 3 Jahren rund 21 Monate rund 6 Monate
Barwert 3 Jahre (8 %) −43.726 € 23.484 € 135.590 €

Kipp-Punkt

Die kritischste Annahme ist der Zurechnungsanteil. Unter rund 50 Prozent kippt der erwartete Fall, angesetzt sind 65. Die Umsetzungsquote der Kapazität kippt unter rund 32 Prozent bei angesetzten 45. Die laufenden Kosten kippen über rund 28.112 Euro pro Jahr. Jede zusätzliche Lizenzstufe gehört deshalb neu gerechnet. Nachgemessen wird über die Versionsverwaltung. Die IT-Leitung vergleicht die Durchlaufzeit je Aufgabe halbjährlich gegen die Baseline. Die Effekte der neuen Build-Pipeline werden dabei getrennt ausgewiesen.

Lesart für das Gremium

Der Case trägt im erwarteten Fall mit ordentlichem Abstand, dank niedriger Einmalkosten. Der vorsichtige Fall ist negativ. Wenn der Produktivitätsgewinn nur gefühlt existiert, zahlt das Haus drauf. Genau davor warnt die Studienlage. Die eine Steuerungsaufgabe lautet deshalb: Nutzenmessung ausschließlich über Systemdaten, nie über Befragung. Fällt der gemessene Gewinn nach zwölf Monaten unter 3 Prozent, werden Lizenzen reduziert. Es bleiben dann nur die nachweislich aktiven Nutzer.

Übertragbarkeit

  • Beschäftigen Sie mindestens 15 Personen, die regelmäßig Code schreiben? Unter dieser Schwelle tragen die Fixkosten kaum.
  • Können Sie Durchlaufzeiten je Aufgabe aus Versionsverwaltung oder Ticketsystem ziehen, vor und nach der Einführung?
  • Läuft parallel eine andere Produktivitätsmaßnahme (Pipeline, Framework-Wechsel)? Dann gehört der Zurechnungsanteil unter 70 Prozent.
  • Ist geregelt, wie KI-Vorschläge sicherheitsgeprüft werden, bevor sie in produktive Systeme gelangen?
  • Haben Sie geklärt, wohin gewonnene Entwicklerkapazität fließt, Backlog-Abbau, weniger Externenbudget oder neue Vorhaben?
  • Ersetzen Sie zuerst Entwicklerzahl, Stundensatz und den gemessenen Kapazitätsgewinn durch eigene Werte im ROI-Rechner (/roi-rechner/).

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