Übersetzung und technische Doku: ein Case, der sogar im vorsichtigen Fall trägt
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Jetzt lesenEine Pflege- und Dienstleistungsgruppe mit rund 1.800 Mitarbeitenden besetzt jedes Jahr mehrere Hundert Stellen. Die Fluktuation ist branchentypisch hoch. Bewerbungen laufen an 60 Standorten dezentral ein, oft unvollständig und in jedem Format. Das KI-System liest Unterlagen aus und prüft Pflichtangaben wie Berufsurkun
| Steckbrief | |
|---|---|
| Branche | Pflege- und Dienstleistungsgruppe, 60 Standorte |
| Größe | rund 1.800 Mitarbeitende |
| Use-Case | KI-gestützte Vorprüfung und Aufbereitung eingehender Bewerbungen |
| Einmalkosten | 72.000 Euro |
| Laufende Kosten (erwartet) | 40.000 Euro pro Jahr |
| Amortisation (erwartet) | rund 28 Monate |
| Barwert 3 Jahre (erwartet) | 14.474 Euro |
Typisierte Modellrechnung nach der Methodik der Arbeitshilfe C, kein reales Unternehmen. Die Werte sind ein Startpunkt für die eigene Rechnung im ROI-Rechner (/roi-rechner/), keine Ergebniszusage.
Eine Pflege- und Dienstleistungsgruppe mit rund 1.800 Mitarbeitenden besetzt jedes Jahr mehrere Hundert Stellen. Die Fluktuation ist branchentypisch hoch. Bewerbungen laufen an 60 Standorten dezentral ein, oft unvollständig und in jedem Format. Das KI-System liest Unterlagen aus und prüft Pflichtangaben wie Berufsurkunden. Es bereitet ein einheitliches Profil für die Standortleitung auf. Die Auswahlentscheidung bleibt beim Menschen.
Ein rechtlicher Punkt gehört vorab auf den Tisch. KI-Systeme in der Personalauswahl fallen unter Anhang III des EU AI Act, Bereich Beschäftigung. Sie gelten damit als Hochrisiko-Anwendung. Nach dem Digital Omnibus greifen die Anhang-III-Pflichten voraussichtlich ab dem 2. Dezember 2027. Das Amtsblatt steht noch aus. Diese Rechnung setzt die Pflichten trotzdem von Beginn an in den Kosten an: menschliche Aufsicht, Dokumentation, jährliche Prüfung auf Verzerrungen. Das ist Orientierung, keine Rechtsberatung.
| Größe | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Bewerbungen pro Jahr | 18.000 | Bewerbermanagementsystem, Vollerhebung |
| Bewerbungen je Standort und Jahr | rund 300 | Bewerbermanagementsystem |
| Vorprüfung und Aufbereitung je Bewerbung | 16 Minuten | Zeiterfassung HR, Stichprobe 500 Fälle |
| Interner Vollkostensatz HR | 48 Euro je Stunde | Controlling |
| Externes Parsing- und Multiposting-Paket | 16.000 Euro pro Jahr | Vertrag, Kreditorenbuchhaltung |
| Zeitarbeitstage wegen offener Stellen | 4.600 pro Jahr | Dienstplansystem, Personalcontrolling |
Kapazität. Die Vorprüfung sinkt von 16 auf 6 Minuten je Bewerbung, also 10 Minuten Ersparnis. 18.000 Bewerbungen × 10 Minuten ergeben 180.000 Minuten oder 3.000 Stunden. Bewertet mit 48 Euro: 144.000 Euro brutto pro Jahr. Die Umsetzungsquote ist mit erwartet 55 Prozent angesetzt, bewusst zurückhaltend. Der Effekt verteilt sich auf 60 Standorte mit je rund 300 Bewerbungen. Fünf gesparte Stunden pro Standort und Monat lassen sich kaum in eine Personalentscheidung übersetzen.
Kosten. Das externe Parsing- und Multiposting-Paket wurde gekündigt: 16.000 Euro pro Jahr, kassenwirksam und voll anrechenbar.
Durchlaufzeit. Schnellere Rückmeldung verkürzt die Besetzungsdauer. Das Personalcontrolling rechnet mit 700 vermiedenen Zeitarbeitstagen × 40 Euro Mehrkosten je Tag, brutto 28.000 Euro. Umsetzungsquote erwartet 50 Prozent, weil die Besetzungsdauer von vielen Faktoren abhängt.
Parallel wurde die Karriereseite überarbeitet. Der Zurechnungsanteil liegt deshalb erwartet bei 75 Prozent, vorsichtig bei 60, optimistisch bei 85 Prozent. Die Einmalkosten von 72.000 Euro decken Aufbau und Integration. Sie enthalten auch Grundrechteprüfung, Datenschutz-Folgenabschätzung und die Konformitätsdokumentation. Die laufenden Kosten von erwartet 40.000 Euro tragen die Compliance-Last dauerhaft mit. Dazu zählen Aufsichtsprozesse, jährliche Bias-Prüfung und Protokollierung.
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],
"einmalkosten": 72000,
"laufend": {"vorsichtig": 48000, "erwartet": 40000, "optimistisch": 35000},
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"ergebnis": {
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}
}
Der erwartete Fall bringt 85.900 Euro anrechenbaren Nutzen pro Jahr. Nach Abzug der laufenden Kosten bleiben 45.900 Euro Nettonutzen ab dem zweiten Jahr. Das erste Jahr trägt mit Anlauffaktor nur 11.540 Euro. Die Amortisation dauert rund 28 Monate. Der Barwert über drei Jahre liegt bei 14.474 Euro. Der vorsichtige Fall kippt deutlich: Der Nettonutzen wird mit −1.040 Euro pro Jahr negativ, der Barwert fällt auf −92.073 Euro.
| Kennzahl | vorsichtig | erwartet | optimistisch |
|---|---|---|---|
| Anrechenbarer Nutzen pro Jahr | 46.960 € | 85.900 € | 118.340 € |
| Nettonutzen Jahr 1 (mit Anlauf) | −19.824 € | 11.540 € | 83.340 € |
| Nettonutzen voll (Jahr 2 und 3) | −1.040 € | 45.900 € | 83.340 € |
| Amortisation | nicht in 3 Jahren | rund 28 Monate | rund 10 Monate |
| Barwert 3 Jahre (8 %) | −92.073 € | 14.474 € | 142.775 € |
Alle drei Kipp-Punkte liegen nah am Ansatz. Der Zurechnungsanteil kippt den erwarteten Fall unter rund 68 Prozent, angesetzt sind 75. Der Abstand beträgt nur rund 9 Prozent. Die Umsetzungsquote der Kapazität kippt unter rund 49 Prozent bei angesetzten 55. Die laufenden Kosten kippen über rund 45.616 Euro pro Jahr. Die Compliance-Pflichten dürfen also kaum teurer werden als kalkuliert. Nachmessen muss das Personalcontrolling. Es braucht die Zeiterfassung der HR-Teams an zehn Referenzstandorten. Dazu kommt ein Quartalsbericht zur tatsächlichen Compliance-Last.
Der Case trägt knapp, und nur im erwarteten Fall. Der vorsichtige Fall liegt tief im Minus. Das Volumen je Standort ist klein, die Hochrisiko-Compliance kostet dauerhaft Geld. Das ist keine Absage, aber eine Freigabe mit Auflage. Die eine Steuerungsaufgabe: an zehn Referenzstandorten nachweisen, dass die frei werdende HR-Zeit in schnellere Besetzung fließt. Bleibt die Umsetzungsquote unter 49 Prozent, wird gestoppt. Die übrigen 50 Standorte werden dann nicht angebunden.
Ein Briefing pro Woche: Entscheidungsfragen, eingeordnete Zahlen und Fristen. Ihre Adresse geben wir nicht weiter.
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