Ausgabe 39/2026 · Stand: Mittwoch, 23. September 2026 Das Fachmagazin für KI-Transformation im Mittelstand
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Business-Case

Absatz-Forecast im Großhandel: 6.867 Euro Barwert, ein Fall auf der Kante

Ein technischer Großhändler mit rund 700 Mitarbeitenden disponiert 24.000 aktive Artikel über drei Läger. Acht Disponenten arbeiten mit Mindestbestands-Regeln und Erfahrungswerten. Ein KI-Forecast prognostiziert den Absatz je Artikel und Standort und schlägt Bestellmengen vor. Die Disponenten entscheiden weiterhin selb

Veröffentlicht · Aktualisiert · 4 Min. Lesezeit
Techniker montiert an einem hellen Montagearbeitsplatz eine kompakte Antriebseinheit.
Präzision entsteht am Arbeitsplatz, nicht in der Roadmap. Symbolbild, KI-generiert für KIONIER.
Steckbrief Wert
Branche Großhandel (technischer Handel, 24.000 aktive Artikel)
Größe rund 700 Mitarbeitende
Use-Case KI-gestützter Absatz-Forecast je Artikel und Standort für die Disposition
Einmalkosten 70.000 €
Laufende Kosten (erwartet) 43.000 €/Jahr
Amortisation (erwartet) rund 30 Monate
Barwert 3 Jahre (erwartet) 6.867 €

Dieser Fall ist eine typisierte Modellrechnung nach der Methodik der KIONIER-Arbeitshilfe C. Er beschreibt kein reales Unternehmen. Alle Werte sind Startpunkte für Ihre eigene Rechnung im ROI-Rechner (/roi-rechner/), belastbar wird sie erst mit Ihrer eigenen Baseline.

Ausgangslage und Baseline

Ein technischer Großhändler mit rund 700 Mitarbeitenden disponiert 24.000 aktive Artikel über drei Läger. Acht Disponenten arbeiten mit Mindestbestands-Regeln und Erfahrungswerten. Ein KI-Forecast prognostiziert den Absatz je Artikel und Standort und schlägt Bestellmengen vor. Die Disponenten entscheiden weiterhin selbst.

Die Baseline stammt aus dem Warenwirtschaftssystem und wurde vor dem Start eingefroren.

Größe Wert Quelle
Abschriften und Verderb pro Jahr 340.000 € Warenwirtschaft, Inventurdifferenzen
Fehlmengenkosten pro Jahr (entgangener Deckungsbeitrag) 180.000 € Vertriebsauswertung, Lost-Sales-Log
Durchschnittlicher Lagerbestand 8,4 Mio. € Warenwirtschaft, Monatsmittel
Dispositionszeit 8 Disponenten × 45 Minuten/Tag Mengenermittlung Zeiterfassung, 4 Wochen
Vollkostensatz Disposition 56 €/Stunde Controlling
Kapitalkostensatz 7 Prozent Treasury

Der Pilot lief sechs Monate in einer Warengruppe. Hochgerechnet sinken Abschriften und Fehlmengen zusammen um 15 Prozent. Der Bestand sinkt um rund 600.000 €. Parallel wurde das Sortiment bereinigt; der Zurechnungsanteil steht deshalb bei 75 Prozent erwartet.

Der Rechenweg

Qualität: 15 Prozent von 520.000 € Abschriften und Fehlmengen ergeben brutto 78.000 € pro Jahr. Die Umsetzungsquote steht erwartet bei 70 Prozent, weil ein Teil der Prognosegüte an Lieferzeiten und Mindestbestellmengen scheitert.

Kapazität: 8 Disponenten × 45 Minuten × 200 Arbeitstage ergeben 1.200 Stunden pro Jahr. Brutto: 1.200 × 56 € = 67.200 € pro Jahr, Umsetzungsquote 50 Prozent erwartet.

Kosten aus Kapitalbindung: 600.000 € weniger Bestand × 7 Prozent Kapitalkostensatz ergeben brutto 42.000 € pro Jahr. Dieser Treiber ist nicht kassenwirksam wie eine gekündigte Lizenz. Er wirkt nur, wenn der Bestand dauerhaft sinkt und die Kreditlinie entlastet. Deshalb wird er mit Umsetzungsquote 60 Prozent erwartet geführt, nicht voll.

json
{
"modell": {
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"treiber": [
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{"id": "kosten", "label": "Kosten (Kapitalbindung)", "brutto": 42000, "voll": false, "weich": false, "umsetzung": {"vorsichtig": 40, "erwartet": 60, "optimistisch": 80}}
],
"einmalkosten": 70000,
"laufend": {"vorsichtig": 52000, "erwartet": 43000, "optimistisch": 38000},
"anlauffaktor": 60,
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"ergebnis": {
"vorsichtig": {"nutzen": 45576, "nFull": -6424, "amortMonate": null, "npv": -103435},
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"optimistisch": {"nutzen": 124899, "nFull": 86899, "amortMonate": 10, "npv": 153947}
}
}

Im erwarteten Fall beträgt der anrechenbare Nutzen 85.050 € pro Jahr. Die laufenden Kosten von 43.000 € decken Plattform, Datenpflege, Modellüberwachung und die quartalsweise Prognosegüte-Prüfung. Es bleiben 42.050 € Nettonutzen pro Jahr ab dem zweiten Jahr. Das erste Jahr bringt mit Anlauffaktor 60 Prozent nur 8.030 €. Die Einmalkosten von 70.000 € sind erst nach rund 30 Monaten gedeckt. Der Barwert über drei Jahre liegt bei 6.867 €, praktisch auf der Nulllinie.

Die drei Szenarien

Kennzahl vorsichtig erwartet optimistisch
Anrechenbarer Nutzen pro Jahr 45.576 € 85.050 € 124.899 €
Nettonutzen voll (Jahr 2 und 3) -6.424 € 42.050 € 86.899 €
Amortisation nicht in 3 Jahren rund 30 Monate rund 10 Monate
Barwert über 3 Jahre (8 %) -103.435 € 6.867 € 153.947 €

Kipp-Punkt

Dieser Fall hat kaum Puffer. Der Zurechnungsanteil kippt den erwarteten Fall schon unter rund 72 Prozent; angesetzt sind 75, der Abstand beträgt rund 4 Prozent. Die Umsetzungsquote der Abschriften- und Fehlmengensenkung kippt unter rund 65 Prozent, angesetzt sind 70. Die laufenden Kosten dürfen höchstens auf rund 45.665 €/Jahr steigen, 6 Prozent Luft.

Nachmessen muss das die Leitung Supply Chain mit dem Controlling. Der Weg: Zwei Warengruppen bleiben zwei Quartale auf dem alten Dispositionsverfahren. Die Differenz der Abschriften-Verläufe trennt den Forecast-Effekt von der Sortimentsbereinigung. Zusätzlich prüft das Treasury monatlich, ob die Bestandssenkung die Kreditlinie tatsächlich entlastet.

Lesart für das Gremium

Der erwartete Fall trägt rechnerisch, aber ohne nennenswerten Sicherheitsabstand. Der vorsichtige Fall ist klar negativ, und die kritischste Annahme liegt nur vier Prozentpunkte vom Kipp-Punkt entfernt. Das ist eine Freigabe auf Bewährung, kein Selbstläufer. Die eine Steuerungsaufgabe: die Kontrollgruppen-Messung über zwei Quartale durchhalten, bevor der Rollout auf alle Warengruppen erfolgt. Bestätigt die Messung den Zurechnungsanteil nicht, wird gestoppt statt nachjustiert. Empfehlung: nur als Stufenmodell mit festem Stopp-Kriterium freigeben.

Übertragbarkeit

  • Ihre Abschriften und Fehlmengen sind aus Warenwirtschaft und Lost-Sales-Log belegt, nicht geschätzt.
  • Ihre Absatzhistorie umfasst mindestens 24 Monate je Artikel; kürzere Historien tragen keinen Forecast.
  • Ihr Kapitalkostensatz kommt vom Treasury; Bestandssenkung zählt nur bei echter Kreditlinien-Entlastung.
  • Die Disponenten folgen den Bestellvorschlägen messbar; eine Übersteuerungsquote über 50 Prozent entwertet den Fall.
  • Lieferzeiten und Mindestbestellmengen sind im System gepflegt, sonst scheitert die Prognosegüte an den Stammdaten.
  • Eine Kontrollgruppe aus Warengruppen ist für mindestens zwei Quartale eingeplant.
  • Ersetzen Sie Abschriften, Bestandssenkung und Umsetzungsquoten zuerst durch eigene Werte im ROI-Rechner (/roi-rechner/).

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