Ausgabe 39/2026 · Stand: Mittwoch, 23. September 2026 Das Fachmagazin für KI-Transformation im Mittelstand
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Beweislast bei einer Person: Das Lagebild der KI-Verantwortlichen im Mittelstand

Zwei Drittel der Rollen sind höchstens zwei Jahre alt. Das passt zur IBM-IBV-Studie 2025: Der Anteil der Unternehmen mit dediziertem KI-Verantwortlichen stieg global von 11 Prozent (2023) auf 26 Prozent. Der Mittelstand zieht mit Verzögerung nach, meist ausgelöst durch Vorstandsdruck oder den EU AI Act.

Veröffentlicht · Aktualisiert · 18 Min. Lesezeit
Blick durch den Hauptgang einer modernen Fertigungshalle mit Bearbeitungszentren auf beiden Seiten.
Zwischen Strategiepapier und Halle liegt der Weg, den die meisten Vorhaben nicht schaffen. Symbolbild, KI-generiert für KIONIER.
Merkmal Ausprägung
Zielgruppe Head of AI, KI-Beauftragte und KI-Verantwortliche mit formalem Mandat
n 50
Unternehmensgröße 250 bis 2.000 Mitarbeiter, DACH
Erhebungslogik Redaktionell modellierte Verteilungen, kalibriert an publizierten Primärstudien
Stand Juli 2026

Dieses Lagebild ist eine redaktionell modellierte Erhebung: Die
Verteilungen sind keine eigene Feldarbeit, sondern an publizierten
Primärstudien kalibrierte, typisierte Ergebnisbilder (Kalibrierungs-
Anhang und Quellen am Ende). Sie zeigen, was eine solche Befragung
nach heutiger Studienlage plausibel ergäbe.

Kernbefunde

  1. Die Rolle ist jung, die Berichtslinie alt. 66 Prozent der KI-Verantwortlichen sind seit höchstens zwei Jahren im Amt. 38 Prozent berichten an die IT-Leitung, nur 34 Prozent direkt an die Geschäftsführung. Das Mandat wächst schneller als die Organisationsstruktur dahinter.

  2. Produktion bleibt die Ausnahme. 22 Prozent haben kein einziges produktives Vorhaben mit messbarem Ergebnisbeitrag. Bei 46 Prozent steckt die Mehrheit des Portfolios im Pilotstadium. Das deckt sich mit dem Befund von MIT NANDA 2025: 95 Prozent der Unternehmen sehen keinen messbaren Gewinnbeitrag.

  3. Abbrüche sind Alltag, nicht Ausnahme. 62 Prozent haben in den letzten 24 Monaten mindestens ein KI-Vorhaben beendet. 48 Prozent verlieren mindestens ein Drittel ihrer Piloten vor dem Produktivgang. Der häufigste Grund ist Datenqualität, nicht die Modelltechnik.

  4. Die Beweislast liegt bei einer Person. 46 Prozent sagen, der Nachweis der Wirtschaftlichkeit liege klar bei ihnen selbst. 64 Prozent müssen den Ertrag je Anwendungsfall formal belegen. Zugleich halten 68 Prozent die Erwartungen der Geschäftsführung für überzogen.

  5. Schatten-KI ist der Normalzustand. 76 Prozent berichten von privater KI-Nutzung im Haus, nur 6 Prozent haben sie technisch unterbunden. Der Wert liegt im Korridor des Work Trend Index 2024, der 78 Prozent eigenmächtige KI-Nutzung misst.

  6. Der Werkzeugkasten ist gekauft, nicht gebaut. 74 Prozent setzen einen Unternehmens-Chat-Assistenten ein, 68 Prozent Microsoft 365 Copilot. Nur 38 Prozent entwickeln eigene Anwendungen über Programmierschnittstellen. Vollständig in EU-Rechenzentren arbeiten 14 Prozent.

  7. Der Ausblick heißt Konsolidierung. 72 Prozent wollen in den nächsten zwölf Monaten vor allem bestehende Piloten produktiv machen. Nur 26 Prozent planen neue Agenten-Piloten. Das Jahr der Experimente ist vorbei, das Jahr der Nachweise beginnt.

Frage 1: Seit wann existiert Ihre Rolle als KI-Verantwortlicher formal?

Nr. Antwortoption Anteil
1 unter 6 Monaten 8 %
2 6 bis 12 Monate 22 %
3 1 bis 2 Jahre 36 %
4 2 bis 3 Jahre 20 %
5 länger als 3 Jahre 14 %

Zwei Drittel der Rollen sind höchstens zwei Jahre alt. Das passt zur IBM-IBV-Studie 2025: Der Anteil der Unternehmen mit dediziertem KI-Verantwortlichen stieg global von 11 Prozent (2023) auf 26 Prozent. Der Mittelstand zieht mit Verzögerung nach, meist ausgelöst durch Vorstandsdruck oder den EU AI Act.

Frage 2: An wen berichten Sie direkt?

Nr. Antwortoption Anteil
1 Geschäftsführung oder Vorstand 34 %
2 CIO oder IT-Leitung 38 %
3 CDO oder Digitalressort 12 %
4 COO oder Betriebsleitung 8 %
5 andere Berichtslinie 8 %

Die IT-Linie dominiert knapp vor der Geschäftsführung. Global berichten laut IBM IBV 2025 rund 57 Prozent der Chief AI Officers an CEO oder Board. Im Mittelstand wird die Rolle dagegen häufig aus der IT heraus aufgebaut und bleibt dort verankert. Wer Prozesse verändern soll, aber unterhalb der Geschäftsleitung hängt, verhandelt aus der zweiten Reihe.

Frage 3: Aus welcher Position kamen Sie in die Rolle?

Nr. Antwortoption Anteil
1 intern aus der IT 36 %
2 intern aus einem Fachbereich 22 %
3 extern aus einem Technologieunternehmen 18 %
4 extern aus der Beratung 14 %
5 aus einer Data-Science-Laufbahn 10 %

58 Prozent wurden intern besetzt. Das entspricht der IBM-IBV-Studie 2025, nach der 57 Prozent der KI-Verantwortlichen aus dem eigenen Haus kommen. Der externe Markt für diese Rolle ist im Segment 250 bis 2.000 Mitarbeiter klein, die Gehälter liegen deutlich unter Konzernniveau.

Frage 4: Wie viele Vollzeitstellen umfasst Ihr Team, Sie selbst nicht mitgerechnet?

Nr. Antwortoption Anteil
1 kein eigenes Team 26 %
2 1 bis 2 30 %
3 3 bis 5 26 %
4 6 bis 10 12 %
5 mehr als 10 6 %

Mehr als die Hälfte führt höchstens zwei Personen. Die Rolle ist im Mittelstand eher Stabsfunktion als Abteilung. Der NEXperts KI-Manager-Kompass 2026 beschreibt dieselbe Lage: hohe Erwartungen an KI-Verantwortliche, aber dünne formale Ausstattung.

Frage 5: Ist die KI-Verantwortung Ihre einzige Funktion?

Nr. Antwortoption Anteil
1 ja, dedizierte Vollzeitrolle 32 %
2 Doppelrolle mit IT-Leitung 34 %
3 Doppelrolle mit Digital- oder Organisationsfunktion 22 %
4 Nebenaufgabe mit weniger als halber Kapazität 12 %

Zwei Drittel tragen die KI-Verantwortung neben einer anderen Funktion. Analysen zum deutschen Markt beschreiben die Doppelrolle mit CTO-, CIO- oder COO-Aufgaben als Regelfall im gehobenen Mittelstand. Für den Aufbau tragfähiger Strukturen bleibt so oft nur ein Bruchteil der Arbeitszeit.

Frage 6: Wie hoch ist Ihr Jahresbudget für KI-Vorhaben ohne Personalkosten?

Nr. Antwortoption Anteil
1 unter 100.000 Euro 18 %
2 100.000 bis 250.000 Euro 30 %
3 250.000 bis 500.000 Euro 24 %
4 500.000 bis 1 Million Euro 16 %
5 über 1 Million Euro 8 %
6 kein eigenes Budget 4 %

Der Median liegt im Korridor von 100.000 bis 500.000 Euro. Das ist genug für Piloten, aber knapp für Produktivbetrieb mit Betreuung, Monitoring und Schulung. Gartner 2024 nennt eskalierende Kosten als einen der vier Hauptgründe für Projektabbrüche.

Frage 7: Kontrollieren Sie das KI-Budget selbst?

Nr. Antwortoption Anteil
1 ja, vollständig 24 %
2 teilweise, gemeinsam mit IT oder CFO 46 %
3 nein, Budget liegt woanders 30 %

Nur ein Viertel entscheidet allein über das eigene Budget. Global kontrollieren laut IBM IBV 2025 rund 61 Prozent der Chief AI Officers ihr KI-Budget. Der Abstand zeigt das Reifegefälle: Im Mittelstand ist das Mandat da, die Budgethoheit oft nicht.

Frage 8: Wie oft berichten Sie der Geschäftsführung formal über den Stand der KI-Vorhaben?

Nr. Antwortoption Anteil
1 monatlich 26 %
2 quartalsweise 42 %
3 halbjährlich 14 %
4 nur anlassbezogen 16 %
5 gar nicht 2 %

Zwei Drittel stehen mindestens quartalsweise vor der Geschäftsführung. Die Berichtsfrequenz ist hoch für eine Funktion, die mehrheitlich noch keine produktiven Ergebnisse vorweisen kann. Der Takt erzeugt genau den Rechtfertigungsdruck, den die Fragen 18 bis 20 zeigen.

Frage 9: Wie wird sich Ihr KI-Budget in den nächsten zwölf Monaten entwickeln?

Nr. Antwortoption Anteil
1 deutlich steigen 16 %
2 leicht steigen 38 %
3 gleich bleiben 30 %
4 sinken 12 %
5 noch offen oder strittig 4 %

54 Prozent erwarten steigende Budgets. Laut Bitkom 2025 planen 29 Prozent aller deutschen Unternehmen höhere KI-Investitionen; unter Häusern mit eigener KI-Rolle liegt der Wert naturgemäß höher. Bemerkenswert sind die 12 Prozent mit sinkendem Budget: Dort wird nach enttäuschten Piloten bereits gekürzt.

Frage 10: Wie viele KI-Vorhaben hat Ihr Haus insgesamt gestartet, beendete mitgezählt?

Nr. Antwortoption Anteil
1 1 bis 3 16 %
2 4 bis 6 34 %
3 7 bis 10 28 %
4 11 bis 15 14 %
5 mehr als 15 8 %

Das typische Portfolio umfasst vier bis zehn Vorhaben. Die Streuung ist groß: Ein Fünftel arbeitet mit mehr als zehn parallelen Initiativen. MIT NANDA 2025 zeigt, dass hohe Vorhabenzahl und hoher Wertbeitrag nicht korrelieren müssen; entscheidend ist der Weg über die Pilotschwelle.

Frage 11: Wie viele Ihrer Vorhaben laufen produktiv mit messbarem Ergebnisbeitrag?

Nr. Antwortoption Anteil
1 keines 22 %
2 genau eines 34 %
3 zwei 24 %
4 drei oder mehr 20 %

Gemessen am Portfolio aus Frage 10 liegt die Produktivquote bei grob 15 Prozent der Vorhaben. Das ist der Korridor, den MIT NANDA 2025 (5 Prozent der Enterprise-Werkzeuge in Produktion) und McKinsey 2025 (39 Prozent mit Ergebniswirkung, meist unter 5 Prozent des EBIT) aufspannen. Häuser mit formaler KI-Rolle liegen am oberen Rand.

Frage 12: In welchem Bereich läuft Ihr wichtigster produktiver Anwendungsfall?

Nr. Antwortoption Anteil
1 noch keiner produktiv 22 %
2 Dokumente und Wissensarbeit 24 %
3 Kundenservice 16 %
4 Produktion und Qualität 14 %
5 Vertrieb und Marketing 12 %
6 Verwaltung und Backoffice 12 %

Dokumentenarbeit führt, weil dort Daten und Nutzen am schnellsten zusammenkommen. Auffällig ist der geringe Anteil von Vertrieb und Marketing. MIT NANDA 2025 kritisiert genau diese Fehlallokation: Rund die Hälfte der Budgets fließt in Vertriebsthemen, die nachhaltigeren Erträge liegen im Backoffice.

Frage 13: In welchem Status steckt die Mehrheit Ihres Portfolios?

Nr. Antwortoption Anteil
1 Ideen- und Prüfphase 14 %
2 Proof of Concept oder Pilot 46 %
3 Rollout vorbereitet oder laufend 22 %
4 produktiver Betrieb 18 %

Fast die Hälfte der Portfolios hängt im Pilotstadium. McKinsey 2025 beschreibt dasselbe Bild: Rund zwei Drittel der Unternehmen stecken in Experimentier- oder Pilotphasen, nur ein Drittel skaliert. Die Pilotschwelle ist die eigentliche Engstelle der Transformation, nicht der Start.

Frage 14: Haben Sie in den letzten 24 Monaten mindestens ein KI-Vorhaben abgebrochen?

Nr. Antwortoption Anteil
1 ja, mehrere 34 %
2 ja, genau eines 28 %
3 nein 34 %
4 unbekannt oder vor meiner Zeit 4 %

62 Prozent haben mindestens ein Vorhaben beendet. Das ist kein Ausreißer, sondern Marktlage: S&P Global 2025 zählt 42 Prozent der Unternehmen, die die Mehrheit ihrer KI-Initiativen abbrachen. Ein geordneter Abbruch ist dabei oft das bessere Ergebnis als ein Pilot im Dauerbetrieb ohne Nutzen.

Frage 15: Welcher Anteil Ihrer bisher beendeten Piloten ging nie produktiv?

Nr. Antwortoption Anteil
1 weniger als ein Fünftel 18 %
2 ein Fünftel bis ein Drittel 26 %
3 ein Drittel bis die Hälfte 32 %
4 mehr als die Hälfte 16 %
5 noch keine beendeten Piloten 8 %

48 Prozent verlieren mindestens ein Drittel ihrer Piloten. Der modellierte Schwerpunkt liegt im Korridor der Realstudien: Gartner 2024 erwartete mindestens 30 Prozent Abbrüche nach dem Proof of Concept, S&P Global 2025 misst im Schnitt 46 Prozent verworfene Machbarkeitsnachweise.

Frage 16: Aus welchen Gründen wurden Vorhaben abgebrochen? (Mehrfachnennung)

Nr. Antwortoption Anteil
1 Datenqualität oder Datenverfügbarkeit 40 %
2 unklarer Geschäftswert 34 %
3 Kosten höher als geplant 24 %
4 fehlende Akzeptanz der Nutzer 20 %
5 rechtliche oder Compliance-Bedenken 18 %
6 unzureichende technische Qualität 16 %
7 kein Abbruch in den letzten 24 Monaten 38 %

Anteile bezogen auf alle 50 Befragten; 38 Prozent hatten keinen Abbruch. Die Rangfolge deckt sich mit Gartner 2024: schlechte Datenqualität, unklarer Geschäftswert und eskalierende Kosten führen die Abbruchgründe an. Die Modelltechnik selbst steht am Ende der Liste.

Frage 17: Wer hat den letzten Abbruch entschieden?

Nr. Antwortoption Anteil
1 kein Abbruch bisher 38 %
2 Geschäftsführung oder Vorstand 20 %
3 ich selbst mit meinem Team 16 %
4 ein gemeinsames Gremium 14 %
5 der Fachbereich zog sich zurück 6 %
6 niemand formal, das Vorhaben schlief ein 6 %

Nur 16 Prozent der Befragten haben selbst einen Abbruch entschieden. Häufiger beendet die Geschäftsführung, oder ein Vorhaben endet ohne formalen Beschluss. Eingeschlafene Piloten sind das teuerste Muster: Sie binden Lizenzen und Aufmerksamkeit, ohne dass jemand Verantwortung für das Ende übernimmt.

Frage 18: Müssen Sie den wirtschaftlichen Ertrag je Anwendungsfall formal nachweisen?

Nr. Antwortoption Anteil
1 ja, bereits vor dem Start 30 %
2 ja, im laufenden Betrieb 34 %
3 nur qualitative Einschätzung gefordert 24 %
4 nein 12 %

64 Prozent stehen unter formaler Nachweispflicht. Das ist doppelt bemerkenswert, weil belastbare Baselines in vielen Häusern fehlen. Der Work Trend Index 2024 beschreibt den Mechanismus: Führungskräfte fordern sofortigen Renditenachweis und lähmen damit genau die Vorhaben, die Zeit zum Wirken bräuchten.

Frage 19: Wie bewerten Sie die Erwartungen Ihrer Geschäftsführung an KI?

Nr. Antwortoption Anteil
1 deutlich überzogen 26 %
2 etwas überzogen 42 %
3 realistisch 26 %
4 eher zu vorsichtig 6 %

68 Prozent halten die Erwartungen für überzogen. Hier liegt das dokumentierte Perspektiv-Gefälle: Die Geschäftsführung sieht Potenzial, die KI-Verantwortlichen sehen Datenlage und Integrationsaufwand. McKinsey 2025 liefert den Referenzrahmen; messbare Ergebniswirkung bleibt auch bei Nutzern die Ausnahme, nicht die Regel.

Frage 20: Bei wem liegt in Ihrem Haus die Beweislast, dass sich KI rechnet?

Nr. Antwortoption Anteil
1 klar bei mir 46 %
2 geteilt zwischen mir und den Fachbereichen 34 %
3 beim jeweiligen Fachbereich 12 %
4 niemand fordert einen Nachweis 8 %

Fast die Hälfte trägt die Beweislast allein. Das ist die strukturelle Schieflage dieser Rolle: Verantwortung für Ergebnisse, aber laut Frage 7 nur bei einem Viertel volle Budgethoheit. Der NEXperts KI-Manager-Kompass 2026 nennt fehlende formale Entscheidungsrechte als zentrales Defizit der KI-Verantwortlichen.

Frage 21: Welche Werkzeugklassen setzen Sie produktiv oder im Pilot ein? (Mehrfachnennung)

Nr. Antwortoption Anteil
1 Unternehmens-Chat-Assistent (etwa ChatGPT Enterprise) 74 %
2 Microsoft 365 Copilot 68 %
3 KI-Funktionen in vorhandener Standardsoftware 46 %
4 eigene Wissenssuche mit RAG 42 %
5 Eigenentwicklung über Programmierschnittstellen 38 %
6 Agenten-Frameworks 18 %
7 Bild- oder Videogenerierung 12 %

Gekaufte Standardwerkzeuge dominieren klar. MIT NANDA 2025 misst dasselbe Muster: Über 80 Prozent der Unternehmen haben allgemeine Assistenten erprobt, während eigene Systeme selten die Produktion erreichen. Die niedrige Agenten-Quote zeigt, wie weit Marketingrhetorik und Mittelstandsalltag auseinanderliegen.

Frage 22: Welcher Anteil Ihrer KI-Workloads läuft in EU-Rechenzentren?

Nr. Antwortoption Anteil
1 vollständig 14 %
2 überwiegend 30 %
3 etwa die Hälfte 22 %
4 der kleinere Teil 24 %
5 nicht genau bekannt 10 %

Zwischen Anspruch und Realität klafft eine Lücke. Laut Bitkom 2025 würden 93 Prozent der Unternehmen einen KI-Anbieter aus Deutschland bevorzugen. Tatsächlich vollständig in der EU arbeiten in diesem Lagebild 14 Prozent. Bemerkenswert sind die 10 Prozent, die ihre eigene Hosting-Lage nicht genau kennen.

Frage 23: Nutzen Mitarbeitende in Ihrem Haus private KI-Konten für Arbeitsaufgaben?

Nr. Antwortoption Anteil
1 ja, sicher und verbreitet 44 %
2 ja, vereinzelt bekannt 32 %
3 vermutlich, aber ohne Einblick 18 %
4 nein, technisch unterbunden 6 %

76 Prozent bestätigen Schatten-KI im Haus. Der Wert liegt exakt im Korridor des Work Trend Index 2024: 78 Prozent der KI-Nutzer bringen eigene Werkzeuge mit, in kleineren und mittleren Unternehmen sogar 80 Prozent. Wer Schatten-KI ignoriert, hat kein Nutzungsproblem, sondern ein Datenabflussproblem.

Frage 24: Wie hat Ihr Haus auf Schatten-KI reagiert? (Mehrfachnennung)

Nr. Antwortoption Anteil
1 freigegebene Alternative bereitgestellt 52 %
2 Nutzungsrichtlinie erlassen 46 %
3 Schulungsangebot dazu aufgebaut 32 %
4 einzelne Dienste technisch gesperrt 14 %
5 bisher keine Maßnahme 10 %

Die Mehrheit antwortet mit Angebot statt Verbot. Das entspricht der Empfehlung fast aller Studienautoren: Der Work Trend Index 2024 zeigt, dass verdeckte Nutzung quer durch alle Altersgruppen läuft und sich nicht wegverbieten lässt. Ohne freigegebene Alternative wandert die Nutzung nur tiefer in den Schatten.

Frage 25: Wie weit sind Ihre Schulungen zur KI-Kompetenz nach Artikel 4 der KI-Verordnung?

Nr. Antwortoption Anteil
1 flächendeckend umgesetzt 18 %
2 teilweise umgesetzt, Schlüsselrollen geschult 40 %
3 in Planung 30 %
4 noch nicht begonnen 12 %

Die Pflicht zur KI-Kompetenz gilt seit Februar 2025, trotzdem haben 42 Prozent noch keine laufenden Schulungen. Das ist Orientierung, keine Rechtsberatung; die Aufsichtspraxis ist noch jung. Wer erst bei der ersten Anfrage einer Behörde startet, hat den günstigsten Zeitpunkt verpasst.

Frage 26: Haben Sie in den letzten zwölf Monaten KI-Fachleute eingestellt?

Nr. Antwortoption Anteil
1 ja, gesucht und besetzt 24 %
2 gesucht, Stellen teils unbesetzt 32 %
3 gesucht, ohne Erfolg 12 %
4 nicht gesucht, intern entwickelt 26 %
5 Stellen wurden gestrichen 6 %

44 Prozent der suchenden Häuser bleiben ganz oder teilweise erfolglos. Der Mittelstand konkurriert bei KI-Profilen mit Konzerngehältern, die deutlich über den eigenen Spannen liegen. Ein Viertel umgeht den Engpass bewusst über interne Entwicklung, was zur internen Besetzungsquote aus Frage 3 passt.

Frage 27: Was sind Ihre größten Hindernisse? (Mehrfachnennung)

Nr. Antwortoption Anteil
1 Datenqualität und Datenzugriff 66 %
2 Erwartungsmanagement Richtung Geschäftsführung 58 %
3 fehlende Fachkräfte und Zeit 48 %
4 Rechtsunsicherheit rund um die KI-Verordnung 44 %
5 Integration in Altsysteme 42 %
6 Budget 36 %
7 Akzeptanz in der Belegschaft 34 %

Datenqualität und Erwartungsmanagement führen mit Abstand. Genau hier liegt das Perspektiv-Gefälle zur Geschäftsführung, die eher Budget und Tempo diskutiert. Die Rangfolge spiegelt die Abbruchgründe aus Frage 16: Was Piloten scheitern lässt, ist vorher als Hindernis sichtbar.

Frage 28: Wie zufrieden sind Sie mit Ihren KI-Anbietern?

Nr. Antwortoption Anteil
1 sehr zufrieden 6 %
2 eher zufrieden 36 %
3 gemischt 38 %
4 eher enttäuscht 16 %
5 sehr enttäuscht 4 %

Die Stimmung ist verhalten, nicht vernichtend. MIT NANDA 2025 dokumentiert die Skepsis wörtlich: Von Dutzenden Anbieter-Demos pro Jahr gelten nur ein bis zwei als wirklich brauchbar. Zufriedenheit entsteht dort, wo Anbieter sich an Betriebskennzahlen messen lassen statt an Demo-Eindrücken.

Frage 29: Welche Erfahrung haben Sie mit externen Beratern gemacht?

Nr. Antwortoption Anteil
1 wesentlicher Beitrag zum Fortschritt 20 %
2 teils hilfreich, teils austauschbar 36 %
3 kaum messbare Wirkung 22 %
4 keine externen Berater eingesetzt 22 %

Nur ein Fünftel sieht wesentlichen Beitrag. Interessant ist der Kontrast zu MIT NANDA 2025: Extern begleitete Vorhaben erreichen etwa doppelt so oft die Produktion wie reine Eigenentwicklungen. Die Enttäuschung richtet sich offenbar weniger gegen externe Hilfe an sich als gegen austauschbare Foliensätze.

Frage 30: Was sind Ihre Prioritäten für die nächsten zwölf Monate? (Mehrfachnennung)

Nr. Antwortoption Anteil
1 bestehende Piloten produktiv machen 72 %
2 Governance und Umsetzung der KI-Verordnung 54 %
3 Datenbasis konsolidieren 50 %
4 wenige Anwendungsfälle skalieren statt neue starten 46 %
5 Schulungen ausweiten 38 %
6 Kosten und Lizenzlandschaft konsolidieren 30 %
7 neue Agenten-Piloten starten 26 %

Die Agenda ist defensiv im besten Sinn: erst liefern, dann erweitern. Fast drei Viertel setzen auf den Produktivgang des Bestands. Das ist die rationale Antwort auf die Befunde dieses Lagebilds; wer die Pilotschwelle nicht überwindet, verliert Budget und Rückhalt zugleich.

Kalibrierung und Konsistenz

Kernwert dieses Lagebilds Modellwert Stützende Realstudie
Produktivquote im Portfolio (Fragen 11 und 13) grob 15 Prozent der Vorhaben, 22 Prozent ganz ohne Produktivfall MIT NANDA 2025 (95 Prozent ohne messbaren Gewinnbeitrag, 5 Prozent der Enterprise-Werkzeuge in Produktion); McKinsey 2025 (39 Prozent mit Ergebniswirkung, meist unter 5 Prozent des EBIT)
Abbruchquote von Piloten (Fragen 14 und 15) 62 Prozent mit mindestens einem Abbruch, Schwerpunkt ein Drittel bis die Hälfte Gartner 2024 (mindestens 30 Prozent Abbrüche nach Proof of Concept); S&P Global 2025 (42 Prozent brechen Mehrheit ab, im Schnitt 46 Prozent der Machbarkeitsnachweise verworfen)
Abbruchgründe (Frage 16) Datenqualität vor Geschäftswert und Kosten Gartner 2024 (Datenqualität, Risikokontrollen, Kosten, unklarer Geschäftswert)
Schatten-KI (Frage 23) 76 Prozent bestätigen private Nutzung Microsoft und LinkedIn, Work Trend Index 2024 (78 Prozent BYOAI, kleinere und mittlere Unternehmen 80 Prozent)
Rollenreife und Verbreitung (Frage 1) 66 Prozent höchstens zwei Jahre im Amt IBM IBV 2025 (Anteil Unternehmen mit CAIO von 11 Prozent 2023 auf 26 Prozent gestiegen, Deutschland 25 Prozent)
Interne Besetzung (Frage 3) 58 Prozent intern IBM IBV 2025 (57 Prozent intern besetzt)
Berichtslinie und Budgethoheit (Fragen 2 und 7) 34 Prozent an GF, 24 Prozent volle Budgetkontrolle IBM IBV 2025 (global 57 Prozent an CEO oder Board, 61 Prozent Budgetkontrolle) als oberer Anker; Mittelstandsabschlag nach NEXperts 2026 (fehlende formale Entscheidungsrechte)
Budgeterwartung (Frage 9) 54 Prozent erwarten Anstieg Bitkom 2025 (29 Prozent aller Unternehmen planen höhere Investitionen; Häuser mit KI-Rolle darüber)
Werkzeug-Mix (Frage 21) Standard-Assistenten vor Eigenbau MIT NANDA 2025 (über 80 Prozent haben allgemeine Assistenten erprobt, rund 40 Prozent im Einsatz)
EU-Hosting-Lücke (Frage 22) 14 Prozent vollständig EU Bitkom 2025 (93 Prozent würden deutschen Anbieter bevorzugen) als Kontrast zwischen Präferenz und Praxis
Erwartungs-Gefälle (Fragen 18 bis 20) 68 Prozent halten GF-Erwartungen für überzogen Microsoft und LinkedIn 2024 (Druck auf sofortigen Renditenachweis); McKinsey 2025 (Ergebniswirkung bleibt Ausnahme)

Die Adoption im Segment 250 bis 2.000 Mitarbeiter ist in diesem Lagebild konstruktionsbedingt bei 100 Prozent, da nur Häuser mit formaler KI-Rolle befragt würden. Als Querschnittsanker gilt Bitkom 2025 mit 36 Prozent Nutzung über alle Unternehmen ab 20 Beschäftigten; für größere Mittelständler liegt der Korridor bei 55 bis 65 Prozent Nutzung oder Pilotierung. Die Umfragen 2 bis 4 dieses Lagebilds verwenden dieselben Anker.

Quellen

  1. MIT NANDA, The GenAI Divide: State of AI in Business 2025, Juli 2025, 95 Prozent ohne messbaren Gewinnbeitrag, 5 Prozent der Enterprise-Werkzeuge in Produktion. https://mlq.ai/media/quarterly_decks/v0.1_State_of_AI_in_Business_2025_Report.pdf
  2. McKinsey, The State of AI: Global Survey 2025, 88 Prozent Nutzung, 39 Prozent mit EBIT-Wirkung, meist unter 5 Prozent. https://www.mckinsey.com/capabilities/quantumblack/our-insights/the-state-of-ai
  3. Gartner, Pressemitteilung, Juli 2024, mindestens 30 Prozent der GenAI-Projekte werden nach dem Proof of Concept abgebrochen. https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2024-07-29-gartner-predicts-30-percent-of-generative-ai-projects-will-be-abandoned-after-proof-of-concept-by-end-of-2025
  4. S&P Global Market Intelligence, Enterprise-AI-Befragung 2025 (n über 1.000, Nordamerika und Europa), 42 Prozent brechen die Mehrheit ihrer KI-Initiativen ab, im Schnitt 46 Prozent der Machbarkeitsnachweise verworfen. https://www.ciodive.com/news/AI-project-fail-data-SPGlobal/742590/
  5. Microsoft und LinkedIn, Work Trend Index 2024 (31.000 Befragte, 31 Länder), 78 Prozent BYOAI, 80 Prozent in kleineren und mittleren Unternehmen. https://www.microsoft.com/en-us/worklab/work-trend-index/ai-at-work-is-here-now-comes-the-hard-part
  6. Bitkom, Künstliche Intelligenz 2025 (n=604, Unternehmen ab 20 Beschäftigten), September 2025, 36 Prozent Nutzung, 29 Prozent planen höhere Investitionen, 93 Prozent bevorzugen deutschen Anbieter. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Durchbruch-Kuenstliche-Intelligenz
  7. IBM Institute for Business Value mit Dubai Future Foundation und Oxford Economics, CAIO-Studie 2025 (über 600 CAIOs, 22 Länder), 26 Prozent mit CAIO, 57 Prozent intern besetzt, 10 Prozent höherer ROI. https://www.ibm.com/thought-leadership/institute-business-value/en-us/report/chief-ai-officer
  8. NEXperts, KI-Manager-Kompass 2026 (n=110, DACH-Mittelstand, explorativ), KI-Verantwortlichen fehlen formale Entscheidungsrechte und klare Mandate. https://www.handelsblatt.com/adv/presseportal/nexperts-ki-manager-im-mittelstand-viele-ki-rollen-besetzt-aber-oft-fehlt-klares-mandat/100224357.html

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