Ausgabe 39/2026 · Stand: Mittwoch, 23. September 2026 Das Fachmagazin für KI-Transformation im Mittelstand
Briefing abonnieren
Lagebild

Lagebild-Umfrage 4: KI im deutschen Mittelstand, Querschnitt 250 bis 2.000 Mitarbeitende

Im modellierten Querschnitt sind 59 % der Unternehmen aktiv, produktiv oder im Pilot. Das Größengefälle ist der stabilste Befund der Studienlage: Destatis meldet für 2024 einen Anstieg von 17 % (10–49 MA) auf 48 % (ab 250 MA). Das hier abgebildete Segment liegt oberhalb des KfW-Mittelstandswerts von 20 %, weil dieser a

Veröffentlicht · Aktualisiert · 19 Min. Lesezeit
Sechs Personen an einem langen Besprechungstisch mit ausgedruckten Beschlussvorlagen.
Eine Vorlage muss ohne den Vortragenden verständlich sein. Symbolbild, KI-generiert für KIONIER.
Steckbrief Angabe
Zielgruppe Deutscher Mittelstand, Querschnitt über Funktionen (GF, CIO/IT, Fachbereiche)
n 250 Unternehmen (modelliert)
Unternehmensgröße 250 bis 2.000 Mitarbeitende, drei Größenklassen
Segmentgrößen 120 Unternehmen mit 250 bis 500 MA, 80 mit 500 bis 1.000 MA, 50 mit 1.000 bis 2.000 MA
Branchenmix Verarbeitendes Gewerbe/Maschinenbau 34 %, Handel/Logistik 18 %, IT/Dienstleistungen 12 %, Bau/Energie/Versorger 12 %, Finanz/Versicherung 10 %, Gesundheit/Medizintechnik 8 %, Sonstige 6 %
Fragen 30 (davon 5 mit Mehrfachnennung, 10 mit Größenklassen-Split)
Erhebungslogik Redaktionell modellierte Verteilungen, kalibriert an publizierten Primärstudien (Kalibrierungs-Anhang am Ende)
Stand Juli 2026

Dieses Lagebild ist eine redaktionell modellierte Erhebung: Die
Verteilungen sind keine eigene Feldarbeit, sondern an publizierten
Primärstudien kalibrierte, typisierte Ergebnisbilder (Kalibrierungs-
Anhang und Quellen am Ende). Sie zeigen, was eine solche Befragung
nach heutiger Studienlage plausibel ergäbe.

Kernbefunde

  1. KI ist im Mittelstand angekommen, aber ungleich verteilt. Im modellierten Querschnitt nutzen oder pilotieren 59 % der Unternehmen KI. Das Gefälle nach Größe ist deutlich: 51 % bei 250 bis 500 Mitarbeitenden, 74 % bei 1.000 bis 2.000. Der Befund folgt der Größenlogik von Bitkom 2025 und Destatis 2024.

  2. Die Strategielücke bleibt der Normalfall. Nur 27 % der Unternehmen haben eine dokumentierte KI-Strategie, 42 % haben keine. Bei den kleinsten Mittelständlern des Segments hat jedes zweite Unternehmen keine Strategie. Das deckt sich mit KfW Research 2026 und dem DMB/Salesforce-KI-Index.

  3. Es wird ausprobiert, aber kaum gemessen. Nur 14 % der KI-aktiven Unternehmen belegen einen Ergebnisbeitrag mit Zahlen. 48 % haben vor dem Pilotstart keine Baseline erhoben. Das modellierte Bild entspricht dem MIT-NANDA-Befund 2025: Wirkung bleibt meist unmessbar, weil die Messinfrastruktur fehlt.

  4. Mehr als jeder dritte Pilot wird beerdigt. 38 % der Unternehmen mit Pilot-Erfahrung haben mindestens einen KI-Piloten abgebrochen. Häufigste Enttäuschungen sind höherer Aufwand als erwartet und schwankende Ergebnisqualität. Der Korridor entspricht Gartner 2024 und S&P Global 2025.

  5. Schatten-KI ist Alltag, Regeln sind es nicht. 73 % der Unternehmen beobachten private KI-Tools ohne Freigabe, aber nur 28 % haben eine verbindliche Richtlinie. Die Lücke zwischen Nutzung und Governance folgt dem Work Trend Index 2024 (78 % BYOAI).

  6. Der AI Act trifft auf einen unvorbereiteten Mittelstand. 47 % kennen die Fristen der Verordnung kaum oder gar nicht, 62 % führen kein KI-Inventar. Schulungen zur KI-Kompetenz nach Artikel 4 haben erst 22 % durchgeführt. Die Vorbereitung wächst mit der Unternehmensgröße.

  7. Trotz Ernüchterung fließt mehr Geld. 42 % der Unternehmen wollen ihr KI-Budget in den nächsten zwölf Monaten erhöhen, nur 7 % kürzen. Die Investitionsabsicht liegt damit über dem Bitkom-Wert von 2025 (29 %) und nahe der DMB-Ausbauquote von 37 %.

Frage 1: Wie ist der aktuelle Stand des KI-Einsatzes in Ihrem Unternehmen?

Nr. Antwortoption Gesamt 250 bis 500 MA 500 bis 1.000 MA 1.000 bis 2.000 MA
1 Produktiv im Einsatz 26 % 20 % 28 % 39 %
2 In Pilot- oder Testphase 33 % 31 % 34 % 35 %
3 Konkret geplant (nächste 12 Monate) 23 % 26 % 23 % 16 %
4 Keine KI-Aktivitäten 18 % 23 % 15 % 10 %

Im modellierten Querschnitt sind 59 % der Unternehmen aktiv, produktiv oder im Pilot. Das Größengefälle ist der stabilste Befund der Studienlage: Destatis meldet für 2024 einen Anstieg von 17 % (10 bis 49 MA) auf 48 % (ab 250 MA). Das hier abgebildete Segment liegt oberhalb des KfW-Mittelstandswerts von 20 %, weil dieser auch Kleinstunternehmen enthält.

Frage 2: Wann hat Ihr Unternehmen mit dem ersten KI-Projekt begonnen?

Basis: 147 Unternehmen mit Nutzung oder Pilot.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Vor 2023 12 %
2 2023 17 %
3 2024 29 %
4 2025 31 %
5 2026 11 %

60 % der aktiven Unternehmen sind erst 2024 oder 2025 eingestiegen. Das passt zur Bitkom-Zeitreihe, in der sich die Nutzungsquote von 2024 auf 2025 fast verdoppelt hat. Der Mittelstand ist damit mehrheitlich in einer frühen Lernphase, nicht im Routinebetrieb.

Frage 3: Hat Ihr Unternehmen eine KI-Strategie?

Nr. Antwortoption Gesamt 250 bis 500 MA 500 bis 1.000 MA 1.000 bis 2.000 MA
1 Ja, dokumentiert und beschlossen 27 % 21 % 31 % 36 %
2 In Arbeit 31 % 29 % 33 % 33 %
3 Keine KI-Strategie 42 % 50 % 36 % 31 %

Die dokumentierte Strategie bleibt Minderheitsprogramm. Der Wert liegt bewusst unter der KPMG-Quote von 69 %, die vor allem Großunternehmen abbildet, und nahe am KfW-Referenzkorridor: 35 % der Mittelständler haben überhaupt eine Digitalisierungsstrategie. Der DMB/Salesforce-Index nennt 43 % ohne konkrete KI-Pläne.

Frage 4: Wer verantwortet die KI-Strategie inhaltlich?

Basis: 145 Unternehmen mit dokumentierter oder in Arbeit befindlicher Strategie.

Nr. Antwortoption Anteil
1 CIO oder IT-Leitung 37 %
2 Geschäftsführung direkt 34 %
3 Eigene KI- oder Digitalrolle 14 %
4 Ein Fachbereich 9 %
5 Externe Begleitung 6 %

Strategie bleibt Chefsache oder IT-Sache, selten eine eigene Funktion. Das erklärt einen Teil der Messlücke: Wo Strategie in der IT liegt, dominieren Technikfragen die Zieldefinition. Eine dedizierte Rolle ist erst ab etwa 1.000 Mitarbeitenden verbreitet (siehe Frage 5).

Frage 5: Gibt es eine dedizierte Verantwortung für KI (Rolle oder Stelle)?

Nr. Antwortoption Gesamt 250 bis 500 MA 500 bis 1.000 MA 1.000 bis 2.000 MA
1 Ja, als Vollzeitrolle 9 % 5 % 11 % 16 %
2 Ja, als Teil- oder Doppelrolle 28 % 24 % 31 % 33 %
3 Nein 63 % 71 % 58 % 51 %

Fast zwei Drittel des Segments haben niemanden, der KI hauptverantwortlich führt. In der kleinsten Größenklasse sind es 71 %. McKinsey 2025 zeigt den Zusammenhang: Unternehmen mit klarer Governance-Verankerung erzielen deutlich häufiger messbare Ergebniswirkung.

Frage 6: In welchen Anwendungsfeldern setzen Sie KI ein? (Mehrfachnennung)

Basis: 147 Unternehmen mit Nutzung oder Pilot.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Büro- und Textassistenz 68 %
2 Dokumentenverarbeitung 44 %
3 Marketing und Kommunikation 38 %
4 Kundenservice 31 %
5 Softwareentwicklung 26 %
6 Produktion und Qualitätssicherung 22 %
7 Prognosen und Planung 19 %

Assistenz- und Dokumenten-Anwendungen dominieren, wertschöpfungsnahe Felder wie Produktion und Prognosen folgen mit Abstand. Das entspricht der MIT-NANDA-Diagnose: Investiert wird sichtbar im Front-Office, die höchsten Renditen liegen oft in Back-Office- und Prozessautomatisierung. Bitkom nennt Textarbeit und Routineautomatisierung als häufigste Einsatzbereiche.

Frage 7: Wie viele Ihrer KI-Anwendungen laufen produktiv, also über den Pilotstatus hinaus?

Basis: 147 Unternehmen mit Nutzung oder Pilot.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Keine 39 %
2 Eine 27 %
3 Zwei bis drei 23 %
4 Mehr als drei 11 %

Vier von zehn KI-aktiven Unternehmen haben noch nichts in den Regelbetrieb gebracht. Das modellierte Bild folgt der Pilot-zu-Produktion-Lücke aus MIT NANDA 2025: Nur ein kleiner Teil der Enterprise-Anwendungen erreicht Produktion. Breite entsteht bisher fast nur bei Assistenz-Tools.

Frage 8: Können Sie einen Ergebnisbeitrag Ihrer KI-Anwendungen belegen?

Basis: 147 Unternehmen mit Nutzung oder Pilot.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Ja, mit Zahlen belegt 14 %
2 Wirkung wahrgenommen, aber nicht gemessen 41 %
3 Nein, kein erkennbarer Beitrag 32 %
4 Zu früh für eine Aussage 13 %

Der belegte Nutzen ist die Ausnahme, die gefühlte Wirkung der Regelfall. Der Wert von 14 % liegt im Korridor von MIT NANDA 2025 (95 % ohne messbaren P&L-Effekt auf Projektebene) und McKinsey 2025 (39 % berichten überhaupt EBIT-Wirkung, meist unter 5 %). Ohne Baseline bleibt Wirkung unsichtbar, auch wo sie existiert.

Frage 9: Wie hoch ist Ihr jährliches KI-Budget (extern und intern)?

Basis: 205 Unternehmen mit Nutzung, Pilot oder konkreter Planung.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Kein eigenes KI-Budget 24 %
2 Unter 50.000 Euro 26 %
3 50.000 bis 200.000 Euro 28 %
4 200.000 bis 500.000 Euro 14 %
5 Über 500.000 Euro 8 %

Die Hälfte der aktiven Unternehmen arbeitet ohne oder mit einem Budget unter 50.000 Euro. KI läuft dort als Nebenposten der IT oder aus Fachbereichsmitteln. Sechsstellige Budgets konzentrieren sich in der oberen Größenklasse und bei Unternehmen mit dokumentierter Strategie.

Frage 10: Welchen Anteil Ihres IT-Budgets macht KI aus?

Basis: 156 Unternehmen mit ausgewiesenem KI-Budget.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Unter zwei Prozent 31 %
2 Zwei bis fünf Prozent 34 %
3 Fünf bis zehn Prozent 19 %
4 Über zehn Prozent 7 %
5 Nicht zuordenbar 9 %

Bei zwei Dritteln bleibt KI unter fünf Prozent des IT-Budgets, ein Experimentier-, kein Transformationsbudget. Die kleine Gruppe über zehn Prozent deckt sich mit dem McKinsey-Muster der High Performer, die KI als Umbauprogramm statt als Toolkauf budgetieren.

Frage 11: Wie wird sich Ihr KI-Budget in den nächsten zwölf Monaten entwickeln?

Nr. Antwortoption Gesamt 250 bis 500 MA 500 bis 1.000 MA 1.000 bis 2.000 MA
1 Deutlich erhöhen 10 % 8 % 11 % 14 %
2 Leicht erhöhen 32 % 28 % 35 % 38 %
3 Konstant halten 41 % 45 % 39 % 35 %
4 Senken 7 % 8 % 6 % 5 %
5 Noch unklar 10 % 11 % 9 % 8 %

42 % wollen erhöhen, nur 7 % kürzen. Die Richtung ist konsistent mit Bitkom 2025 (29 % planen höhere Investitionen) und dem DMB-Index 2026 (37 % planen Ausbau oder Einstieg). Ernüchterung über einzelne Piloten führt bisher nicht zum Rückzug aus der Technologie.

Frage 12: Was behindert den KI-Einsatz in Ihrem Unternehmen am stärksten? (Mehrfachnennung)

Nr. Antwortoption Anteil
1 Datenqualität und Datenverfügbarkeit 54 %
2 Fehlende Fachkräfte und fehlendes Know-how 51 %
3 Rechtsunsicherheit 47 %
4 Unklarer Nutzen und Kosten 42 %
5 Fehlende Zeit im Tagesgeschäft 38 %
6 Datenschutz- und Sicherheitsbedenken 33 %

Daten, Personal und Recht bilden das Hindernis-Trio, das sich durch alle Realstudien zieht. Bitkom 2025 nennt Rechtsunsicherheit, fehlendes technisches Know-how und fehlende personelle Ressourcen als größte Hemmnisse; der DMB-Index setzt fehlendes Anwendungswissen an die Spitze.

Frage 13: Welches einzelne Hindernis wiegt am schwersten?

Nr. Antwortoption Anteil
1 Datenqualität und Datenverfügbarkeit 22 %
2 Fehlende Fachkräfte und fehlendes Know-how 21 %
3 Rechtsunsicherheit 18 %
4 Unklarer Nutzen und Kosten 17 %
5 Fehlende Zeit im Tagesgeschäft 13 %
6 Sonstiges 9 %

Gezwungen zur Priorisierung, nennen die Unternehmen kein dominantes Einzelproblem, sondern ein enges Feld aus vier Themen. Für die Führung heißt das: Es gibt keinen einzelnen Hebel. Daten, Kompetenzaufbau und Rechtsklärung müssen parallel bearbeitet werden.

Frage 14: Haben Sie vor dem Start Ihrer KI-Projekte eine Ausgangsbasis (Baseline) gemessen?

Basis: 147 Unternehmen mit Nutzung oder Pilot.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Ja, dokumentiert 18 %
2 Teilweise, für einzelne Projekte 34 %
3 Nein 48 %

Fast die Hälfte startet ohne Messpunkt. Genau hier entsteht der spätere Streit um den Nutzen: Ohne Baseline ist „kein messbarer Effekt“ der Standardbefund, unabhängig von der tatsächlichen Wirkung. MIT NANDA 2025 beschreibt diese Messlücke als Kernursache des 95-Prozent-Befunds.

Frage 15: Liegt für mindestens eine produktive KI-Anwendung ein belastbarer ROI-Nachweis vor?

Basis: 65 Unternehmen mit produktivem KI-Einsatz.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Ja, liegt vor 17 %
2 In Arbeit 33 %
3 Nein 50 %

Selbst unter den produktiven Nutzern hat nur jeder Sechste einen belastbaren Nachweis. Die Hälfte betreibt KI im Regelbetrieb, ohne die Wirtschaftlichkeit belegen zu können. Das ist weniger ein Technik- als ein Controlling-Versäumnis.

Frage 16: Mit welchen Kennzahlen bewerten Sie Ihre KI-Anwendungen? (Mehrfachnennung)

Basis: 65 Unternehmen mit produktivem KI-Einsatz.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Zeitersparnis 61 %
2 Nutzungsquote der Beschäftigten 42 %
3 Kostensenkung 38 %
4 Qualität und Fehlerquote 33 %
5 Keine definierten Kennzahlen 27 %
6 Umsatzeffekte 14 %

Gemessen wird vor allem Zeit, also die weichste der harten Kennzahlen. Umsatz- und Ergebniswirkung erfasst kaum jemand. Mehr als ein Viertel der produktiven Nutzer misst gar nicht systematisch. Das erklärt, warum die EBIT-Wirkung in Studien wie McKinsey 2025 so selten nachweisbar ist.

Frage 17: Haben Sie bereits KI-Piloten abgebrochen?

Basis: 147 Unternehmen mit Nutzung oder Pilot.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Ja, mindestens einen 38 %
2 Nein, bisher keinen 51 %
3 Zu früh für eine Aussage 11 %

Der Abbruch ist kein Randphänomen, sondern Teil des Normalbetriebs. Der modellierte Wert liegt im Korridor zwischen der Gartner-Prognose 2024 (mindestens 30 % der GenAI-Projekte nach Proof of Concept beendet) und S&P Global 2025 (42 % gaben die meisten KI-Initiativen auf). Ein sauber begründeter Abbruch ist dabei besser als ein Zombie-Pilot.

Frage 18: Führen Sie ein Inventar Ihrer KI-Systeme?

Nr. Antwortoption Gesamt 250 bis 500 MA 500 bis 1.000 MA 1.000 bis 2.000 MA
1 Ja, vollständig 11 % 7 % 13 % 17 %
2 Teilweise 27 % 22 % 30 % 34 %
3 Nein 62 % 71 % 57 % 49 %

Ohne Inventar ist weder AI-Act-Compliance noch Schatten-KI-Kontrolle möglich. 62 % wissen nicht systematisch, welche KI-Systeme bei ihnen laufen. Das Inventar ist der billigste erste Governance-Schritt und zugleich der am häufigsten übersprungene.

Frage 19: Haben Sie Schulungen zur KI-Kompetenz nach Artikel 4 der KI-Verordnung durchgeführt?

Nr. Antwortoption Gesamt 250 bis 500 MA 500 bis 1.000 MA 1.000 bis 2.000 MA
1 Ja, durchgeführt 22 % 17 % 25 % 29 %
2 Geplant 31 % 28 % 34 % 35 %
3 Weder durchgeführt noch geplant 47 % 55 % 41 % 36 %

Die Pflicht zur KI-Kompetenz gilt seit Februar 2025, fast die Hälfte des Segments hat dazu weder etwas getan noch etwas geplant. Die Größenklassen-Schere zeigt: Wo dedizierte Rollen fehlen (Frage 5), bleibt auch die Schulungspflicht unbearbeitet. Diese Einordnung ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung.

Frage 20: Wie gut kennen Sie die Fristen der EU-KI-Verordnung?

Nr. Antwortoption Gesamt 250 bis 500 MA 500 bis 1.000 MA 1.000 bis 2.000 MA
1 Im Detail bekannt 14 % 10 % 16 % 21 %
2 Grob bekannt 39 % 35 % 42 % 44 %
3 Kaum oder gar nicht bekannt 47 % 55 % 42 % 35 %

Fast die Hälfte kennt die Fristenlage kaum, obwohl der Digital Omnibus die Hochrisiko-Termine gerade neu geordnet hat (Anhang III auf Dezember 2027, Anhang I auf August 2028, Amtsblatt ausstehend). Wer die Fristen nicht kennt, kann auch keinen Umsetzungsplan haben. Rechtsunsicherheit (Frage 12) ist damit teilweise selbst verschuldete Informationslücke.

Frage 21: Wann wurde der Betriebsrat in KI-Vorhaben eingebunden?

Basis: 196 Unternehmen mit Betriebsrat.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Früh, vor der Tool-Auswahl 24 %
2 Nachträglich, nach der Entscheidung 33 %
3 Gar nicht 29 %
4 KI war dort bisher kein Thema 14 %

Nur ein Viertel bindet die Mitbestimmung früh ein, obwohl KI-Systeme regelmäßig mitbestimmungspflichtige Tatbestände berühren. Die nachträgliche Einbindung ist die häufigste und zugleich konfliktträchtigste Variante: Sie verzögert Rollouts, nachdem Budget und Vertrag bereits gebunden sind.

Frage 22: Beobachten Sie die Nutzung privater KI-Tools durch Beschäftigte ohne Freigabe?

Nr. Antwortoption Gesamt 250 bis 500 MA 500 bis 1.000 MA 1.000 bis 2.000 MA
1 Ja, häufig 34 % 30 % 36 % 40 %
2 Ja, vereinzelt 39 % 38 % 41 % 39 %
3 Nein 12 % 14 % 11 % 10 %
4 Keine Erkenntnisse dazu 15 % 18 % 12 % 11 %

73 % beobachten Schatten-KI, und die Dunkelziffer dürfte höher liegen, wo „keine Erkenntnisse“ angekreuzt wird. Der Work Trend Index 2024 liefert den Anker: 78 % der KI-Nutzenden bringen eigene Tools mit zur Arbeit. Schatten-KI ist damit kein Compliance-Randthema, sondern der faktische Adoptionspfad.

Frage 23: Gibt es Regeln für den Umgang mit privaten KI-Tools?

Nr. Antwortoption Anteil
1 Verbindliche Richtlinie vorhanden 28 %
2 Richtlinie in Arbeit 33 %
3 Keine Regelung 39 %

Zwischen beobachteter Nutzung (73 %) und verbindlicher Regelung (28 %) klafft die eigentliche Governance-Lücke des Lagebilds. Vier von zehn Unternehmen haben gar keine Regelung. Ein Verbot ohne freigegebene Alternative verschiebt die Nutzung erfahrungsgemäß nur weiter ins Private.

Frage 24: Welche externe Unterstützung nutzen Sie für KI-Vorhaben? (Mehrfachnennung)

Basis: 205 Unternehmen mit Nutzung, Pilot oder konkreter Planung.

Nr. Antwortoption Anteil
1 IT-Dienstleister oder Systemhaus 47 %
2 Software-Anbieter direkt 41 %
3 Unternehmensberatung 34 %
4 Verband, Kammer oder Netzwerk 19 %
5 Hochschule oder Forschungseinrichtung 12 %
6 Keine externe Unterstützung 21 %

Der Mittelstand kauft KI-Kompetenz vor allem über bestehende IT-Lieferbeziehungen ein. Das ist pragmatisch, birgt aber ein strukturelles Risiko: Der Verkäufer des Tools bewertet dann auch dessen Nutzen. MIT NANDA 2025 zeigt zugleich, dass extern eingekaufte Lösungen häufiger produktiv werden als Eigenbauten.

Frage 25: Wie zufrieden sind Sie mit den bisherigen Ergebnissen Ihrer KI-Vorhaben?

Basis: 147 Unternehmen mit Nutzung oder Pilot.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Sehr zufrieden 9 %
2 Eher zufrieden 44 %
3 Eher enttäuscht 31 %
4 Sehr enttäuscht 7 %
5 Zu früh für eine Bewertung 9 %

Die Stimmung ist verhalten positiv, aber mehr als jeder Dritte ist enttäuscht. Das modellierte Bild spiegelt die dokumentierte Kluft zwischen Erwartung und Messbarkeit: Zufriedenheit speist sich aus wahrgenommener Zeitersparnis, Enttäuschung aus fehlendem belegbarem Ergebnisbeitrag (Fragen 8 und 16).

Frage 26: Was war die größte Enttäuschung in Ihren KI-Projekten?

Basis: 147 Unternehmen mit Nutzung oder Pilot.

Nr. Antwortoption Anteil
1 Mehr Aufwand als erwartet 27 %
2 Schwankende Ergebnisqualität 24 %
3 Nutzen nicht messbar 21 %
4 Geringe Nutzung durch Beschäftigte 16 %
5 Höhere Kosten als geplant 12 %

Die Enttäuschungen sind operativ, nicht technologisch: Aufwand, Qualitätsschwankung und Messbarkeit. Gartner nennt genau diese Treiber (Datenqualität, Kosten, unklarer Geschäftswert) als Abbruchgründe. Wer nur das Tool budgetiert, aber nicht die Einführung, findet sich in der oberen Zeile wieder.

Frage 27: Wo steht Ihr Unternehmen beim KI-Einsatz im Vergleich zum direkten Wettbewerb?

Nr. Antwortoption Gesamt 250 bis 500 MA 500 bis 1.000 MA 1.000 bis 2.000 MA
1 Wettbewerber sind weiter 29 % 31 % 28 % 25 %
2 Etwa gleichauf 41 % 38 % 44 % 44 %
3 Wir sind weiter 13 % 9 % 15 % 19 %
4 Keine Einschätzung möglich 17 % 22 % 13 % 12 %

Nur 13 % sehen sich vorn, während 29 % einen Rückstand wahrnehmen. Auffällig ist die Unsicherheit: Fast jedes fünfte Unternehmen kann die eigene Position gar nicht einschätzen. Wettbewerbsdruck ist damit eher diffuses Gefühl als informierte Analyse.

Frage 28: Wie wichtig ist Ihnen EU- oder Deutschland-Hosting bei KI-Lösungen?

Nr. Antwortoption Anteil
1 Sehr wichtig 52 %
2 Eher wichtig 31 %
3 Weniger wichtig 11 %
4 Unwichtig 6 %

83 % gewichten europäisches Hosting hoch. Der Befund ist konsistent mit Bitkom 2025: 93 % der Unternehmen bevorzugen KI aus Deutschland. Souveränität ist im Mittelstand ein Beschaffungskriterium geworden, nicht nur ein politisches Schlagwort.

Frage 29: Setzen Sie bereits KI-Agenten ein, die Aufgaben eigenständig ausführen?

Nr. Antwortoption Gesamt 250 bis 500 MA 500 bis 1.000 MA 1.000 bis 2.000 MA
1 Ja, im produktiven Einsatz 7 % 4 % 8 % 12 %
2 Ja, im Test 15 % 12 % 17 % 19 %
3 Beobachten das Thema 46 % 45 % 48 % 45 %
4 Bisher kein Thema 32 % 39 % 27 % 24 %

22 % arbeiten bereits mit Agenten oder testen sie, der DMB-Index 2026 meldet für kleinere Mittelständler 16,6 %. Die Beobachter-Gruppe von 46 % zeigt: Das Thema ist präsent, aber die Mehrheit wartet auf belastbare Referenzmuster, bevor autonome Systeme Prozesse übernehmen.

Frage 30: Welche Schwerpunkte planen Sie für die nächsten zwölf Monate? (Mehrfachnennung)

Nr. Antwortoption Anteil
1 Ausweitung bestehender Anwendungen 43 %
2 Schulungen und Kompetenzaufbau 39 %
3 Governance und AI-Act-Vorbereitung 34 %
4 Verbesserung der Datenbasis 31 %
5 Erste Piloten starten 29 %
6 Keine KI-Aktivitäten geplant 16 %

Der Ausblick ist expansiv, aber geordneter als 2024: Ausweitung, Kompetenz und Governance stehen vor neuen Experimenten. Das passt zur Budgeterwartung (Frage 11) und zur Reifephase des Segments. Nur 16 % planen gar nichts, fast deckungsgleich mit der inaktiven Gruppe aus Frage 1.

Kalibrierung und Konsistenz

Alle zentralen Werte dieses modellierten Lagebilds sind an publizierte Primärstudien angelehnt. Perspektiv-Differenzen zu den Teil-Lagebildern 1 bis 3 (Head of AI, Geschäftsführung, CIO/IT) sind erwartbar und dokumentiert: Geschäftsführungen bewerten Fortschritt und Governance regelmäßig optimistischer als IT-Verantwortliche (Work Trend Index 2024). Der Querschnitt liegt dazwischen.

Kernwert (modelliert) Stützende Realstudie
Nutzung oder Pilot 59 % im Segment 250 bis 2.000 MA Bitkom 2025: 36 % ab 20 MA mit Anstieg auf 43 % ab 500 MA; Destatis/Eurostat 2024: 48 % ab 250 MA; DMB/Salesforce 2026: 51,2 % nutzen oder testen (bis 500 MA)
Größenklassen-Gefälle 51 % → 62 % → 74 % Destatis 2024: 17 % (10 bis 49 MA), 28 % (50 bis 249 MA), 48 % (ab 250 MA); KfW Research 2026: 20 % Mittelstand gesamt, 36 % ab 50 MA
Dokumentierte KI-Strategie 27 % KfW Research 2026: 35 % mit Digitalisierungsstrategie als Obergrenze; DMB/Salesforce 2025: 43 % ohne konkrete KI-Pläne; KPMG 2025: 69 % mit Strategie (Großunternehmen, obere Referenz)
Belegter Ergebnisbeitrag 14 % der Aktiven MIT NANDA 2025: 95 % der GenAI-Piloten ohne messbaren P&L-Effekt; McKinsey 2025: 39 % berichten EBIT-Wirkung, meist unter 5 %, nur 21 % mit Workflow-Redesign
Pilot-Abbruchquote 38 % Gartner 2024: mindestens 30 % der GenAI-Projekte nach Proof of Concept beendet; S&P Global 2025: 42 % gaben die meisten KI-Initiativen auf
Schatten-KI 73 % beobachtet Microsoft/LinkedIn Work Trend Index 2024: 78 % BYOAI, 80 % in kleineren Unternehmen
Budgeterhöhung 42 % Bitkom 2025: 29 % planen höhere KI-Investitionen; DMB/Salesforce 2026: 37 % planen Ausbau oder Einstieg
KI-Agenten 22 % (Einsatz oder Test) DMB/Salesforce 2026: 16,6 % nutzen oder testen KI-Agenten (bis 500 MA); Aufschlag für größere Unternehmen konsistent zum Größengefälle
EU-Hosting 83 % wichtig Bitkom 2025: 93 % der Unternehmen bevorzugen KI aus Deutschland
Einstiegsjahre 2024/2025 dominieren Bitkom-Zeitreihe: Verdopplung der Nutzung von 20 % (2024) auf 36 % (2025); Deloitte German Cut 2024: hohe GenAI-Verfügbarkeit in Deutschland

Konsistenzregeln des Modells: Single-Choice-Verteilungen summieren auf 100 %. Größenklassen-Splits sind mit den Segmentgewichten 120/80/50 (48/32/20 %) auf den Gesamtwert rückgerechnet. Teilbasen sind aus Frage 1 abgeleitet: 147 Aktive (59 %), 205 mit Aktivitäten oder Planung (82 %), 65 produktive Nutzer (26 %).

Quellen

  1. Bitkom Research (2025): Künstliche Intelligenz 2025. Repräsentative Befragung von 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten. https://www.bitkom.org/sites/main/files/2026-02/bitkom-studienbericht-ki.pdf
  2. KfW Research (2026): Fokus Volkswirtschaft Nr. 533, Einsatz von Künstlicher Intelligenz vor allem in Unternehmen mit hohen Innovations- und Digitalisierungsaktivitäten. https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2026/Fokus-Nr.-533-Februar-2026-KI-Mittelstand.pdf
  3. Deutscher Mittelstands-Bund / Salesforce (2025 und 2026): KI-Index Mittelstand. Befragungen von 526 bzw. rund 700 mittelständischen Unternehmen. https://www.salesforce.com/de/news/press-releases/2026/03/12/ki-index-mittelstand-2026/
  4. Statistisches Bundesamt / Eurostat (2024): IKT in Unternehmen, Nutzung von KI-Technologien nach Größenklassen. https://www.destatis.de
  5. McKinsey & Company (2025): The State of AI, How organizations are rewiring to capture value. Globale Befragung. https://www.mckinsey.com/capabilities/quantumblack/our-insights/the-state-of-ai-how-organizations-are-rewiring-to-capture-value
  6. MIT NANDA (2025): The GenAI Divide, State of AI in Business 2025. 150 Interviews, 350 Beschäftigtenbefragungen, 300 Projektanalysen.
  7. Gartner (2024): Pressemitteilung vom 29.07.2024, 30 % der GenAI-Projekte werden nach Proof of Concept bis Ende 2025 aufgegeben. https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2024-07-29-gartner-predicts-30-percent-of-generative-ai-projects-will-be-abandoned-after-proof-of-concept-by-end-of-2025
  8. S&P Global Market Intelligence (2025): Voice of the Enterprise, AI & Machine Learning 2025 (42 % gaben die meisten KI-Initiativen auf).
  9. Microsoft / LinkedIn (2024): Work Trend Index Annual Report, AI at Work Is Here. 31.000 Befragte in 31 Ländern. https://news.microsoft.com/source/2024/05/08/microsoft-and-linkedin-release-the-2024-work-trend-index-on-the-state-of-ai-at-work/
  10. KPMG (2025): Generative KI in der deutschen Wirtschaft 2025. 653 Entscheider aus 18 Branchen.
  11. Deloitte (2024): The State of Generative AI in the Enterprise, German Cut Q3/Q4 2024. 150 deutsche Führungskräfte.

Das Entscheider-Briefing

Ein Briefing pro Woche: Entscheidungsfragen, eingeordnete Zahlen und Fristen. Ihre Adresse geben wir nicht weiter.

Sie erhalten zuerst eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst nach dem Klick nehmen wir Sie auf. Abmeldung mit einem Klick in jeder Ausgabe.

Weiterführend im Themenfeld