Ausgabe 39/2026 · Stand: Donnerstag, 24. September 2026 Das Fachmagazin für KI-Transformation im Mittelstand
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Beschlussvorlage

Mandats-Freigabe: KI-Verantwortung mit Entscheidungsrechten und Budget

Diese Vorlage beschließt die Verankerung der KI-Verantwortung im Haus: Person, Modell, Entscheidungsrechte, Budgethoheit und Berichtslinie. Sie ist die richtige, wenn KI-Vorhaben laufen oder starten sollen und niemand das Thema hauptverantwortlich führt. Der KIONIER-Guide 4 zur KI-Organisation liefert die Grundlage: En

Veröffentlicht · Aktualisiert · 7 Min. Lesezeit
Hände unterzeichnen mit einem Füllfederhalter die letzte Seite eines Dokuments.
Am Ende steht eine Entscheidung mit Datum und Namen. Symbolbild, KI-generiert für KIONIER.

Zweck und Einsatzmoment

Diese Vorlage beschließt die Verankerung der KI-Verantwortung im Haus: Person, Modell, Entscheidungsrechte, Budgethoheit und Berichtslinie. Sie ist die richtige, wenn KI-Vorhaben laufen oder starten sollen und niemand das Thema hauptverantwortlich führt. Der KIONIER-Guide 4 zur KI-Organisation liefert die Grundlage: Entscheidend sind Mandat, Budget und Berichtslinie, kein Titel. Eine Stelle ohne Entscheidungsrechte verschiebt das Problem nur, denn sie erzeugt eine Person, die Erwartungen einsammelt und Entscheidungen erbitten muss.

Diese Vorlage ist nicht die richtige für die Freigabe des Gesamtprogramms mit Portfolio und Zielgrößen, dafür gibt es Vorlage 01. Beide gehören aber zusammen: Ein Programm ohne Mandat hat keinen Motor, ein Mandat ohne Programm keinen Auftrag. Idealerweise beschließt das Gremium beide in derselben Sitzung als zwei getrennte Vorlagen. Sie ist auch nicht die richtige für Betriebsrollen eines einzelnen Systems wie Produktverantwortung oder Wissenspflege, die regelt das Betriebskonzept im Zuge von Vorlage 03.

Die Vorlage

Der Beschlusstext passt auf eine Seite. Kern ist die Entscheidungsrechte-Matrix, die als Anlage 1 mitbeschlossen wird.

Feld Eintrag
1. Anlass [warum jetzt: Zahl paralleler Vorhaben, Risikoprofil, Budgethöhe, heutige Lücke]
2. Modell [schriftliches Mandat, Tandem oder dedizierte Stelle, mit Begründung nach Größenschwellen]
3. Person und Kapazität [benannte Person oder Personen, Stellenanteil, Laufzeit des Mandats]
4. Entscheidungsrechte [Kernrechte in einem Satz, vollständige Matrix als Anlage 1]
5. Budgethoheit [eigener Budgetposten: Betrag, Herkunft, Jahr, Freigabegrenzen]
6. Berichtslinie [an wen, in welchem Takt, mit welchen festen Kennzahlen]
7. KI-Gremium [Zusammensetzung, Tagungstakt, verbindliche Freigabefristen je Stufe]
8. Abgrenzung [was die Rolle nicht entscheidet und wohin eskaliert wird]
9. Prüfdatum [Termin nach zwölf Monaten mit Prüfkriterien für Zuschnitt und Modell]
10. Beantragte Entscheidung [genau eine Entscheidung: Mandat mit Person, Rechten, Budget und Prüfdatum]

Die Entscheidungsrechte-Matrix nach Guide 4, als Anlage 1 auszufüllen und mitzubeschließen:

Entscheidung Wer entscheidet Wer wird vorher gehört Eskalation bei Dissens
Neuer Anwendungsfall, risikoarm (intern, keine Personendaten) [KI-Verantwortung allein, Frist] [z. B. IT-Sicherheit per Kurzcheck] [entfällt]
Neuer Anwendungsfall mit Personendaten oder Außenwirkung [KI-Gremium, Frist] [Datenschutz, IT-Sicherheit, Compliance, Betriebsrat] [Geschäftsführung]
Budgetfreigabe innerhalb des Jahresrahmens [KI-Verantwortung] [CFO ab Schwellenwert] [Geschäftsführung]
Abbruch eines Vorhabens [KI-Gremium auf Antrag jeder Seite] [betroffener Fachbereich] [Geschäftsführung]
Hochrisiko-Einstufung und Anbieterwechsel [Geschäftsführung auf Vorlage des Gremiums] [Rechtsfunktion, Datenschutz] [Beirat oder Gesellschafter]

Ausfüllhinweise

  1. Anlass. Die heutige Lücke in Zahlen: parallele Vorhaben, Budgethöhe, Risikoprofil, fehlende Zuständigkeit. Hinein gehört, welche Entscheidungen zuletzt liegen blieben. Schwach ist ein Anlass wie „KI wird wichtiger“, denn er begründet jede Lösung und damit keine.

  2. Modell. Die Wahl nach den Größenschwellen des Guide 4: schriftliches Mandat oder Tandem bis etwa fünf parallele Vorhaben; dedizierte Stelle, wenn mindestens zwei Kriterien zutreffen: sechs oder mehr Vorhaben, Hochrisiko-Bezug, reguliertes Umfeld, KI-Jahresbudget über 250.000 Euro. Schwach ist eine Vollzeitstelle ohne Entscheidungsrechte, denn ein Mandat mit 30 Prozent Kapazität und eigenem Budget schlägt sie.

  3. Person und Kapazität. Eine benannte Person mit beziffertem Stellenanteil und Mandatslaufzeit, beim Tandem beide Personen mit geteilten Rechten. Nicht hinein gehört ein Arbeitskreis. Schwach ist eine Kapazität „nach Verfügbarkeit“, denn sie ist im Alltag null.

  4. Entscheidungsrechte. Die Kernrechte in einem Satz, die vollständige Matrix als Anlage 1. Hinein gehört je Entscheidung eine verbindliche Frist. Schwach ist eine Matrix ohne Fristen, denn ein Freigabeprozess ohne Antwortzeit wirkt wie ein Verbot mit Umwegen und züchtet Schatten-KI.

  5. Budgethoheit. Ein eigener Posten mit Betrag, Herkunft, Jahr und Freigabegrenzen. Die Regel aus Guide 4: Wer den Ertrag nachweisen muss, verfügt über das Budget. Hinein gehört die Mitfinanzierung der Umsetzung durch die Fachbereiche, sie diszipliniert die Wunschlisten. Schwach ist Rechenschaft ohne Verfügungsgewalt, denn diese Schere ist die strukturelle Schieflage der meisten KI-Rollen.

  6. Berichtslinie. Empfänger, Takt und feste Kennzahlen. Bewährt sind drei: belegte Wirkung gegen Baseline je Vorhaben, Vollkosten gegen Plan, Status der Portfolio-Entscheidungen. Nicht hinein gehören Aktivitätszahlen wie Workshops oder Lizenzen. Schwach ist ein Bericht in Prosa, denn er lässt sich nicht über Quartale vergleichen.

  7. KI-Gremium. Klein halten: KI-Verantwortung, IT, ein rotierender Fachbereichssitz, Datenschutz oder Compliance, bei Bedarf HR und Betriebsrat als Gäste. Hinein gehören Tagungstakt und die Freigabefristen je Stufe: eine Woche risikoarm, vier bis sechs Wochen mit Personendaten oder Außenwirkung. Schwach ist ein Gremium, das berichtet statt entscheidet.

  8. Abgrenzung. Was die Rolle nicht entscheidet: Hochrisiko-Einstufungen, Anbieterwechsel mit strategischer Wirkung, Personalmaßnahmen in den Fachbereichen. Hinein gehört der Eskalationsweg mit Frist. Schwach ist ein Mandat ohne Grenzen, denn es kollidiert mit jeder Bereichsleitung und verliert.

  9. Prüfdatum. Ein Termin nach zwölf Monaten mit Kriterien: Vorhabenzahl, Budgetauslastung, mindestens eine dokumentierte Portfolio-Entscheidung, Passung des Modells zur Größenschwelle. Hinein gehört die offene Frage, ob aus dem Mandat eine dedizierte Stelle werden muss. Schwach ist ein Mandat ohne Prüfdatum, denn Organisationsentscheidungen veralten mit dem Portfolio.

  10. Beantragte Entscheidung. Genau eine Entscheidung: das Mandat mit Person, Matrix, Budget und Prüfdatum. Nicht hinein gehört die gleichzeitige Programmfreigabe, sie steht in Vorlage 01. Schwach ist ein Beschluss ohne die Matrix als mitbeschlossene Anlage, denn dann beginnen die Zuständigkeitsfragen am ersten Arbeitstag.

Anlagen

  • Anlage 1, Entscheidungsrechte-Matrix: vollständig ausgefüllt mit Fristen je Entscheidung, zum Mitbeschluss.
  • Anlage 2, Mandatsbeschreibung: Auftrag, Kapazität, Laufzeit und Abgrenzung der Rolle in schriftlicher Form.
  • Anlage 3, Budgetblatt: Posten, Betrag, Herkunft, Freigabegrenzen und Mitfinanzierungsregel der Fachbereiche.
  • Anlage 4, Gremienordnung: Zusammensetzung, Tagungstakt, Freigabestufen und Fristen des KI-Gremiums.
  • Anlage 5, Berichtsformat: die festen Kennzahlen des Quartalsberichts mit Definition und Datenquelle je Kennzahl.

Typisiertes Beispiel

Das folgende Beispiel ist typisiert. Das Unternehmen ist fiktiv, die Rahmenzahlen folgen dem Programm-Beispiel aus Vorlage 01: derselbe Maschinenbauer mit 800 Mitarbeitern, Beschluss in derselben Beiratssitzung im September 2026.

Feld Eintrag
1. Anlass Zwei Startvorhaben aus dem KI-Programm 2026 bis 2028, ein KI-Jahresbudget von 240.000 Euro und ein zweistufiger Freigabeprozess ohne benannten Prozesseigner; zuletzt blieben zwei Freigabeanträge sechs Wochen unbeantwortet liegen.
2. Modell Schriftliches Mandat bei der Leiterin Digitalisierung; die Schwellen für eine dedizierte Stelle sind nicht erreicht: zwei parallele Vorhaben, kein Hochrisiko-Bezug nach Anhang III, Budget unter 250.000 Euro.
3. Person und Kapazität Leiterin Digitalisierung mit 50 Prozent Kapazität, Mandatslaufzeit 24 Monate ab 01.10.2026; ihre bisherigen Linienaufgaben werden zu 50 Prozent auf den IT-Betrieb übertragen.
4. Entscheidungsrechte Freigabe risikoarmer interner Anwendungsfälle binnen einer Woche, Budgetfreigaben bis 25.000 Euro je Einzelfall, Antragsrecht auf Abbruch; alles Weitere gemäß Matrix in Anlage 1.
5. Budgethoheit Eigener Posten von 240.000 Euro für 2027 aus dem Investitionsplan (Aufteilung gemäß Programm-Beschluss); Einzelfreigaben über 25.000 Euro mit Anhörung des CFO; Fachbereiche tragen je 20 Prozent der Umsetzungskosten ihrer Anwendungsfälle.
6. Berichtslinie Quartalsbericht an die Geschäftsführung, erstmals zum 15.01.2027, mit drei festen Kennzahlen: Wirkung gegen Baseline je Vorhaben, Vollkosten gegen Plan, Portfolio-Entscheidungen im Quartal.
7. KI-Gremium Leiterin Digitalisierung (Vorsitz), IT-Leitung, rotierender Fachbereichssitz (Start: Vertriebsinnendienst), Datenschutzbeauftragter; monatliche Sitzung; Freigabefristen eine Woche (Stufe 1) und vier bis sechs Wochen (Stufe 2).
8. Abgrenzung Keine Entscheidung über Hochrisiko-Einstufungen, strategische Anbieterwechsel oder Personalmaßnahmen in den Fachbereichen; Eskalation bei Dissens an die Geschäftsführung mit Antwortfrist von zwei Wochen.
9. Prüfdatum 30.09.2027: Prüfung von Zuschnitt und Modell durch die Geschäftsführung; Kriterien sind Vorhabenzahl, Budgetauslastung, mindestens eine dokumentierte Portfolio-Entscheidung und die Frage, ob die Mandatslösung weiter trägt.
10. Beantragte Entscheidung Der Beirat erteilt der Leiterin Digitalisierung das KI-Mandat ab 01.10.2026 mit 50 Prozent Kapazität, beschließt die Entscheidungsrechte-Matrix nach Anlage 1 samt Budgethoheit über 240.000 Euro und setzt das Prüfdatum 30.09.2027 fest.

Die Lesart des Beispiels: Das Haus wählt bewusst das Mandatsmodell statt einer neuen Stelle. Die Matrix und der eigene Budgetposten geben der Rolle das, woran die meisten KI-Rollen scheitern. Das Prüfdatum hält den Weg zur dedizierten Stelle offen, falls das Portfolio wächst.

Die fünf häufigsten Fehler

  1. Die Rolle wird ohne Matrix beschlossen. Titel und Person stehen fest, die Entscheidungsrechte bleiben ungeklärt. Konsequenz: Jede Freigabe braucht informelle Umwege, die Fristen des Governance-Prozesses sind unhaltbar, und die Schatten-Nutzung wächst weiter.
  2. Rechenschaft ohne Budgethoheit. Die Person muss Wirtschaftlichkeit nachweisen, das Geld liegt bei IT und Fachbereichen. Konsequenz: Die Rolle kann priorisieren, aber nichts durchsetzen, verschleißt in Bittsteller-Runden, und die Besetzung kündigt innerlich vor dem ersten Prüfdatum.
  3. Ein Arbeitskreis ersetzt die benannte Person. Die Verantwortung wird auf ein Gremium verteilt. Konsequenz: Niemand berichtet der Geschäftsführung mit Zahlen, Anbieterverträge schließt jeder Bereich selbst, und bei der ersten Krise ist niemand zuständig.
  4. Das Gremium berichtet, statt zu entscheiden. Die monatliche Sitzung wird zur Statusrunde ohne Beschlüsse. Konsequenz: Freigaben stauen sich, Fachbereiche starten an der Governance vorbei, und die Matrix existiert nur auf dem Papier.
  5. Das Mandat hat kein Prüfdatum. Die Organisationsentscheidung gilt unbefristet. Konsequenz: Das Modell überlebt sein Portfolio, ein gewachsenes Programm hängt an einer halben Stelle, und die überfällige Anpassung braucht erst eine Krise als Anlass.

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