Ausgabe 39/2026 · Stand: Donnerstag, 24. September 2026 Das Fachmagazin für KI-Transformation im Mittelstand
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Beschlussvorlage

Leitfaden: So arbeiten Sie mit der KIONIER-Beschlussvorlagen-Bibliothek

Diese Bibliothek enthält fünf ausfüllbare Beschlussvorlagen für die KI-Transformation im Mittelstand. Sie decken den Entscheidungsweg eines KI-Programms ab: Programmfreigabe, Pilotstart, Produktivgang, geordneter Abbruch und Mandatsfreigabe. Jede Vorlage ist ein Arbeitsdokument für Geschäftsführung, Beirat oder KI-Grem

Veröffentlicht · Aktualisiert · 5 Min. Lesezeit
Qualitätsingenieur mit Prüfliste neben drei fertigen Industrierobotern auf Transportpaletten.
Vor der Auslieferung entscheidet die Abnahme, nicht die Absicht. Symbolbild, KI-generiert für KIONIER.

Diese Bibliothek enthält fünf ausfüllbare Beschlussvorlagen für die KI-Transformation im Mittelstand. Sie decken den Entscheidungsweg eines KI-Programms ab: Programmfreigabe, Pilotstart, Produktivgang, geordneter Abbruch und Mandatsfreigabe. Jede Vorlage ist ein Arbeitsdokument für Geschäftsführung, Beirat oder KI-Gremium. Jede folgt derselben Anatomie und derselben Disziplin.

Wozu diese Bibliothek

KI-Vorhaben scheitern selten an der Technik. Sie scheitern an fehlenden oder unklaren Entscheidungen. Eine Strategie ohne Budgetbeschluss bleibt Papier. Ein Pilot ohne Abbruchkriterien läuft als Kostenstelle weiter. Ein Produktivgang ohne Messtermin wird nie nachgeprüft. Der KIONIER-Guide zur KI-Strategie zeigt das Muster im Detail: Die Strategie stirbt am fehlenden Beschluss über Geld, Personen und Nachmessung.

Die Vorlagen setzen genau dort an. Sie zwingen jede Entscheidung in eine Form, die ein Gremium in einer Sitzung prüfen und beschließen kann. Wer alle fünf nutzt, hat für jeden Wendepunkt seines Programms ein dokumentiertes, nachprüfbares Beschlussformat.

Die Anatomie eines tragfähigen Beschlusses

Alle fünf Vorlagen folgen drei Bauregeln. Sie stammen aus dem Beschluss-Kapitel des KIONIER-Guides zur KI-Strategie und haben sich in Gremien bewährt.

Erstens: eine Seite. Der Beschlusstext passt auf eine Seite. Ein Gremium, das eine Seite beschließen soll, beschließt. Ein Gremium, das vierzig Seiten würdigen soll, vertagt. Alles, was nicht auf die Seite passt, wird Anlage.

Zweitens: genau eine beantragte Entscheidung. Jede Vorlage enthält eine einzige Zeile mit der beantragten Entscheidung. Eine Vorlage, die drei Beschlüsse zugleich will, bekommt oft keinen. Wer zwei Entscheidungen braucht, legt zwei Vorlagen vor.

Drittens: nummerierte Anlagen. Jede Zahl und jede Behauptung auf der Beschlussseite verweist auf eine nummerierte Anlage. Das Gremium liest die Seite. Wer zweifelt, greift zur Anlage. So bleibt die Sitzung bei der Entscheidung und verliert sich nicht im Material.

Das Anlagen-Prinzip

Die Anlagen tragen die Beweislast, die Beschlussseite trägt die Entscheidung. Daraus folgen drei Regeln für die Praxis.

Jede Anlage hat eine Nummer, einen Titel und einen Stand mit Datum. Im Beschlusstext wird sie nur mit ihrer Nummer zitiert. Eine Anlage ohne Referenz auf der Beschlussseite fliegt raus. Sie bläht das Paket auf und beantwortet keine Frage des Gremiums.

Jede Anlage beantwortet genau eine Prüffrage. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung belegt die Kennzahlen. Das Portfolio-Scoring belegt die Auswahl. Der Readiness-Bericht belegt die Betriebsfähigkeit. Wer eine Anlage nicht in einem Satz begründen kann, braucht sie nicht.

Anlagen werden vor der Sitzung verteilt und in der Sitzung nur bei Nachfragen geöffnet. Ein Vortrag, der alle Anlagen durchgeht, verwandelt die Entscheidung in eine Schulung. Danach ist die Sitzungszeit verbraucht und der Beschluss vertagt.

Die fünf Vorlagen im Überblick

Nr. Vorlage Entscheidet über Typischer Moment
01 Strategie-Beschluss Freigabe des KI-Programms mit Zielgrößen, Startportfolio, Budget, Verantwortung und Messpunkten Die Strategiearbeit ist abgeschlossen, das Programm soll verbindlich starten
02 Pilot-Freigabe Start eines einzelnen Piloten mit Baseline, Erfolgs- und Abbruchkriterien Ein priorisierter Anwendungsfall soll in die Erprobung
03 Produktivgang-Entscheidung Übergang eines Systems vom Pilot in den Betrieb, auf Basis der Board-Entscheidungsseite Der Pilot ist gemessen, das Gremium soll skalieren oder stoppen
04 Abbruch-Beschluss Geordneter Stopp eines Vorhabens mit Schadensbegrenzung und Lehren-Sicherung Ein Abbruchkriterium hat gegriffen oder mehrere Frühindikatoren schlagen an
05 Mandats-Freigabe Verankerung der KI-Verantwortung mit Entscheidungsrechten, Budget und Berichtslinie Das Programm braucht eine benannte Führung statt eines Arbeitskreises

Die Vorlagen sind einzeln nutzbar. Ihre Reihenfolge bildet aber den Normalverlauf ab. Wer beim Produktivgang merkt, dass die Pilot-Freigabe nie sauber beschlossen wurde, holt die fehlenden Festlegungen nach. Ohne Baseline aus Vorlage 02 bleibt die Entscheidungsseite in Vorlage 03 unausfüllbar.

Typische Gremien-Fehler

Vier Fehler kehren in KI-Gremien immer wieder. Die Vorlagen sind so gebaut, dass sie diese Fehler sichtbar machen.

Der Kenntnisnahme-Beschluss. Das Gremium nimmt die Strategie zur Kenntnis und beschließt nichts. Kein Budget, keine Person, kein Termin. Gegenmittel: Die Zeile mit der beantragten Entscheidung nennt Betrag, Verantwortung und Messtermin. Wer sie beschließt, hat entschieden.

Die Mehrfach-Entscheidung. Eine Vorlage will Programm, Budget, Personalie und Anbieterwahl zugleich. Das Gremium diskutiert alles und beschließt nichts. Gegenmittel: eine Entscheidung je Vorlage, der Rest folgt in eigenen Vorlagen.

Die Zahl ohne Herkunft. In der Sitzung kursiert ein Prozentwert, dessen Bezugsgröße niemand benennen kann. Der KIONIER-Guide zum Weg vom Pilot in die Produktion dokumentiert diesen Mechanismus als häufigste Todesursache der Messbarkeit. Gegenmittel: Jede Zahl auf der Beschlussseite trägt Quelle, Zeitraum und Anlagen-Nummer.

Der fehlende Rückweg. Das Gremium beschließt den Start und regelt das Ende nicht. Abbruchkriterien fehlen, ein Stopp wird später als Gesichtsverlust empfunden. Gegenmittel: Erfolgs- und Abbruchkriterien stehen im Startbeschluss, der geordnete Abbruch hat eine eigene Vorlage.

Arbeitsdokumente, keine Rechtsberatung

Alle Vorlagen dieser Bibliothek sind redaktionelle Arbeitsdokumente. Sie strukturieren Entscheidungen, sie ersetzen keine Rechtsberatung. Ob ein Beschluss gesellschaftsrechtlich in Geschäftsführung, Beirat oder Gesellschafterversammlung gehört, regeln Satzung und Geschäftsordnung Ihres Hauses. Wo Vorlagen Artikel der KI-Verordnung nennen, dient das der Orientierung. Verbindlich wird eine Einstufung erst durch die juristische Prüfung im eigenen Haus. Passen Sie Feldnamen und Zuständigkeiten an Ihre Gremienstruktur an. Die Entscheidungslogik bleibt dabei unverändert.

Verzahnung mit dem KIONIER-Bestand

Die Vorlagen bauen auf dem KIONIER-Bestand auf und verweisen an den passenden Feldern dorthin. Der Guide zur KI-Strategie liefert die neun Bausteine hinter Vorlage 01. Der Guide zum Weg vom Pilot in die Produktion liefert Baseline-Pflicht und Frühindikatoren hinter den Vorlagen 02 und 04. Der Guide zur KI-Organisation liefert die Entscheidungsrechte-Matrix hinter Vorlage 05. Die Arbeitshilfe C stellt das ROI-Modell mit den elf Feldern der Board-Entscheidungsseite, die Arbeitshilfe A den Readiness-Check mit KO-Regel, die Arbeitshilfe D das Priorisierungs-Scoring für das Startportfolio. Mit dem ROI-Rechner unter /roi-rechner/ rechnen Sie die Kennzahlen der Vorlagen 01 bis 03 mit eigenen Werten nach. Mit dem Readiness-Selbsttest unter /ki-readiness-check-online/ ermitteln Sie den Score für das Readiness-Feld der Vorlage 03 in rund 20 Minuten.

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