EU-AI-Act-Selbstaudit: vom Inventar zur Fristen-Übersicht
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Jetzt lesenViele KI-Piloten überzeugen in der Vorführung und scheitern im Alltag. Der Grund ist selten das Modell. Es fehlen Kontrollen: Messung, Protokoll, Rückfallweg, klare Zuständigkeit. Dieser Check macht sichtbar, welche Kontrollen stehen und welche fehlen.
Viele KI-Piloten überzeugen in der Vorführung und scheitern im Alltag. Der Grund ist selten das Modell. Es fehlen Kontrollen: Messung, Protokoll, Rückfallweg, klare Zuständigkeit. Dieser Check macht sichtbar, welche Kontrollen stehen und welche fehlen.
Wofür: Die Arbeitshilfe prüft ein einzelnes KI-System vor dem Produktivgang. Sie liefert je Dimension einen Punktwert von 0 bis 10, eine Freigabeempfehlung und eine begründete Lückenliste.
Für wen: Geschäftsführung, CIO und KI-Verantwortliche im Mittelstand mit 250 bis 2.000 Beschäftigten. Die Bewertung braucht kein Entwicklerwissen. Sie braucht Zugriff auf die Personen, die das System gebaut haben oder betreiben.
Zeitbedarf: Etwa 60 bis 90 Minuten für die erste vollständige Bewertung eines Systems. Eine Wiederholungsmessung dauert deutlich kürzer, weil die Nachweise dann vorliegen.
Ein Hinweis vorab: Wo dieser Check Artikel der KI-Verordnung oder Normen nennt, dient das der Orientierung. Er ersetzt keine Rechtsberatung.
Jedes der 37 Kriterien erhält 0, 1 oder 2 Punkte. Bewertet wird der Nachweis, nicht die Absicht. Ein Plan ohne Umsetzung zählt nicht als erfüllt.
| Punkte | Bedeutung | Anforderung an den Nachweis |
|---|---|---|
| 0 | Nicht vorhanden | Es gibt weder Regelung noch Umsetzung noch Verantwortlichen. |
| 1 | Angelegt | Eine Regelung existiert und wurde umgesetzt, aber ohne Messung oder ohne Beleg. |
| 2 | Nachgewiesen | Die Kontrolle wirkt, ist dokumentiert und lässt sich auf Nachfrage belegen. |
Der Dimensionswert entsteht aus der Punktsumme: Summe geteilt durch die maximal mögliche Punktzahl der Dimension, multipliziert mit 10. Eine Dimension mit sechs Kriterien und 9 von 12 Punkten steht also bei 7,5.
| Dimensionswert | Lesart |
|---|---|
| unter 5,0 | Rot. In diesem Feld ist das System nicht betriebsfähig. |
| 5,0 bis 6,9 | Gelb. Betrieb nur mit Auflagen und terminierter Nachbesserung. |
| ab 7,0 | Grün. Das Feld trägt einen regulären Betrieb. |
Freigaberegel: Ein Produktivgang ist vertretbar, wenn alle sechs Dimensionen mindestens 6,0 erreichen und kein KO-Kriterium auf 0 steht. Ein kontrollierter Betrieb mit enger Nutzergruppe ist ab durchgängig 5,0 möglich, ebenfalls nur ohne offene KO-Punkte.
KO-Regel: Acht Kriterien sind als KO markiert. Steht eines davon auf 0 Punkten, bleibt das System im Pilotstatus. Das gilt unabhängig von allen anderen Werten. Ein guter Durchschnitt gleicht ein fehlendes Protokoll oder eine fehlende Eingriffsmöglichkeit nicht aus.
Ein KI-System ist so verlässlich wie das Wissen, aus dem es schöpft. Diese Dimension prüft Herkunft, Schutz und Pflege der Daten.
| Nr. | Kriterium | Prüffrage | Nachweis-Artefakt |
|---|---|---|---|
| 1 | Quellenregister | Ist jede angebundene Datenquelle mit Eigentümer und Freigabe erfasst? | Quellenliste mit Freigabevermerk je Quelle |
| 2 | Vertraulichkeitsstufen | Ist jede Quelle eingestuft: öffentlich, intern, vertraulich, personenbezogen? | Klassifikationsübersicht, Stufen-Label an den Inhalten |
| 3 | Schutzfilter für Personendaten (KO) | Werden personenbezogene Angaben vor der Aufnahme in den Wissensindex entfernt oder maskiert? | Filterkonfiguration plus Testlauf mit Prüfbeispielen |
| 4 | Aktualität | Gibt es einen festen Zyklus, der neue Inhalte aufnimmt und veraltete entfernt? | Aktualisierungsplan, Zeitstempel im Index |
| 5 | Trefferqualität | Wird gemessen, ob die Suche die richtigen Belegstellen findet? | Referenz-Fragenset mit dokumentierten Trefferquoten |
| 6 | Lösch- und Aufbewahrungsregeln | Greifen Löschfristen auch für abgeleitete Daten wie den Suchindex? | Löschkonzept, Protokoll einer durchgeführten Löschung |
Diese Dimension prüft, ob das System auf austauschbaren, steuerbaren Bausteinen ruht oder an einem einzelnen Anbieter und einem einzelnen Stand klebt.
| Nr. | Kriterium | Prüffrage | Nachweis-Artefakt |
|---|---|---|---|
| 7 | Zentrale Modellzugangsschicht | Laufen alle Modellaufrufe über eine gemeinsame Zwischenschicht mit Ausweichmodell? | Architekturbild, Protokoll eines Umschalttests |
| 8 | Getrennte Wissenssuche | Ist die Suche im Firmenwissen ein eigener Baustein, unabhängig vom Sprachmodell? | Komponentenübersicht mit Schnittstellenbeschreibung |
| 9 | Versionierte Anweisungen | Liegen Prompts und Verhaltensregeln versioniert außerhalb des Programmcodes? | Versionsverlauf mit Freigabevermerken |
| 10 | Ein- und Ausgabefilter | Prüfen Filter jede Eingabe und jede Antwort vor der Auslieferung? | Filterregeln plus Testprotokoll |
| 11 | Reproduzierbarkeit | Lässt sich jede Antwort einer Modell- und Regelversion zuordnen? | Versionsangabe im Protokolleintrag |
| 12 | Kostensteuerung | Existieren Budgetgrenze, Alarm und automatische Drossel je Anwendungsfall? | Kostenbericht, Alarmkonfiguration |
Sprachmodelle öffnen neue Angriffswege. Manipulierte Eingaben, Datenabfluss über Antworten und kompromittierte Komponenten sind die häufigsten. Diese Dimension prüft die Abwehr.
| Nr. | Kriterium | Prüffrage | Nachweis-Artefakt |
|---|---|---|---|
| 13 | Schlüsselverwaltung (KO) | Liegen Zugangsdaten und Schlüssel in einem zentralen Tresor statt im Code? | Tresor-Inventar, Ergebnis eines Code-Scans |
| 14 | Abwehr manipulierter Eingaben | Wurde getestet, ob eingeschleuste Anweisungen die Regeln aushebeln? | Angriffs-Testset mit dokumentierter Abwehrquote |
| 15 | Durchgreifende Zugriffsrechte (KO) | Sieht die Suche nur Dokumente, die der anfragende Nutzer sehen darf? | Rechtekonzept plus Stichprobentest mit zwei Rollen |
| 16 | Abflusskontrolle | Verhindert eine Kontrolle, dass Vertrauliches in Antworten auftaucht? | Maskierungsregeln, Ergebnis eines Lecktests |
| 17 | EU-Datenpfad | Ist je Dienst dokumentiert, wo Daten liegen und wer administrativ zugreifen kann? | Regionsnachweis, Vertragsauszug, Unterauftragnehmerliste |
| 18 | Lieferkettenprüfung | Werden Komponenten und Bibliotheken auf Schwachstellen geprüft? | Komponentenverzeichnis, letzter Scan-Bericht |
Diese Dimension prüft die Auskunftsfähigkeit: Kann das Unternehmen belegen, was das System tut, warum es zulässig ist und wer eingreifen kann? Die genannten Artikel dienen der Orientierung.
| Nr. | Kriterium | Prüffrage | Nachweis-Artefakt |
|---|---|---|---|
| 19 | Inventareintrag (KO) | Ist das System im KI-Verzeichnis mit Zweck und Verantwortlichem erfasst? | Inventarauszug mit Datum |
| 20 | Risikoeinstufung (KO) | Ist die Einstufung nach der KI-Verordnung schriftlich begründet? | Einstufungsdokument mit Begründung und Prüfdatum |
| 21 | Systembeschreibung | Beschreibt ein Dokument Zweck, Grenzen und Datenbasis des Anwendungsfalls? | Versionierte Systembeschreibung |
| 22 | KI-Kennzeichnung | Erkennen Nutzer, dass sie mit einem KI-System arbeiten? | Oberflächentext, Kennzeichnungsregel |
| 23 | Eingriffsmöglichkeit (KO) | Kann eine benannte Person Ausgaben stoppen, korrigieren oder verwerfen? | Beschriebener Eingriffsweg plus Protokoll einer Übung |
| 24 | Lückenloses Protokoll (KO) | Wird jede produktive Anfrage nach festem Schema aufgezeichnet? | Protokollauszug, Abdeckungsquote als Kennzahl |
| 25 | Verarbeitungsverträge | Sind Auftragsverarbeitung und Unterauftragnehmer je Anbieter geregelt? | Vertragsliste mit Stand und Änderungsklausel |
Ein System ohne Messung, Rückfallweg und Störungsprozess ist kein Betrieb, sondern ein Dauerversuch. Diese Dimension prüft die Betriebsfähigkeit.
| Nr. | Kriterium | Prüffrage | Nachweis-Artefakt |
|---|---|---|---|
| 26 | Qualitätsprüfung vor Freigabe | Läuft vor jeder Änderung ein automatisierter Test gegen ein Prüfset? | Prüfset, letzter Testbericht |
| 27 | Gemessene Fehlerrate | Ist der Anteil falscher Antworten gemessen, mit Angabe der Stichprobengröße? | Messbericht mit Fehlerrate und Stichprobenumfang |
| 28 | Betriebssicht | Sind Antwortzeit, Fehler und Kosten laufend sichtbar und alarmiert? | Betriebsübersicht, Alarmregeln |
| 29 | Rückfallweg (KO) | Lässt sich in Minuten auf die letzte funktionierende Version zurückschalten? | Protokoll einer geübten Rückschaltung mit Zeitangabe |
| 30 | Störungsprozess | Ist geregelt, wer bei einer Störung wie schnell reagiert? | Störungsleitfaden mit Zuständigkeit und Reaktionszeit |
| 31 | Freigabe-Sperre | Blockiert die Auslieferung automatisch, wenn der Qualitätstest scheitert? | Pipeline-Regel, Beispiel eines gestoppten Releases |
| 32 | Veränderungserkennung | Fällt auf, wenn sich Antwortverhalten nach Modell- oder Datenwechsel verschiebt? | Vergleichslauf, Abweichungsalarm |
Technik trägt nur, wenn der Fachbereich Verantwortung übernimmt und die Nutzer mitziehen. Diese Dimension prüft die organisatorische Verankerung.
| Nr. | Kriterium | Prüffrage | Nachweis-Artefakt |
|---|---|---|---|
| 33 | Abgegrenzter Zweck | Ist schriftlich festgelegt, was das System leisten soll und was ausdrücklich nicht? | Zweckbeschreibung mit Ausschlussliste |
| 34 | Erfolgswert mit Ausgangsmessung | Gibt es eine fachliche Kennzahl mit gemessenem Startwert? | Kennzahlendefinition, Ausgangsmessung mit Datum |
| 35 | Fachliche Freigabe | Verantwortet der Fachbereich die inhaltliche Qualität der Antworten? | Benannter Freigabeverantwortlicher, Freigabeprotokoll |
| 36 | Rückmeldeweg | Fließen Nutzerhinweise nachweisbar in die Verbesserung ein? | Rückmeldeliste, abgeleitete Änderungen |
| 37 | Begleitete Einführung | Wurden Nutzer geschult und wird die Nutzung gemessen? | Schulungsnachweis, Nutzungskennzahl |
Die KO-Kriterien sind die Punkte, an denen ein Ausfall nicht intern bleibt.
Deshalb gilt: Ein einziges dieser acht Kriterien auf 0 Punkten stoppt den Produktivgang. Die Sperre fällt erst, wenn der Nachweis vorliegt.
Die Führungsebene muss keine Systemdiagramme lesen. Sie muss wissen, welche Kontrollstationen eine Anfrage durchläuft. Das Zielbild lässt sich in vier Abschnitten beschreiben.
Erstens, der Wissensaufbau. Firmendokumente gelangen nicht direkt in das System. Sie durchlaufen eine Aufnahmestrecke: Herkunft wird erfasst, Vertraulichkeit eingestuft, Personenbezug entfernt oder maskiert. Erst dann landet der Inhalt im durchsuchbaren Index. Dieser Index liegt in einem EU-Rechenzentrum und trägt an jedem Dokument ein Rechte-Etikett.
Zweitens, der Antwortweg. Jede Nutzeranfrage passiert zuerst einen Eingabefilter, der manipulierte oder unzulässige Eingaben abfängt. Danach sucht das System passende Belegstellen, aber nur in Dokumenten, die der Nutzer sehen darf. Der Modellaufruf läuft über eine zentrale Zugangsschicht. Fällt der Hauptanbieter aus, schaltet sie auf ein zweites Modell in der EU um. Vor der Auslieferung prüft ein Ausgabefilter die Antwort auf vertrauliche Inhalte und Auffälligkeiten.
Drittens, die Aufzeichnung. Parallel zu jeder Anfrage entsteht ein Protokolleintrag nach festem Schema. Er ist nachträglich nicht veränderbar. Ein Teil der Anfragen geht zusätzlich in eine laufende Qualitätsstichprobe.
Viertens, der Maschinenraum. Schlüssel und Zugangsdaten liegen in einem zentralen Tresor mit Zugriffprotokoll. Jede Änderung an Modell, Anweisungen oder Regeln läuft durch eine Freigabestrecke mit automatischem Qualitätstest. Scheitert der Test, wird nicht ausgeliefert. Geht trotzdem etwas schief, führt ein geübter Rückfallweg in Minuten zur letzten funktionierenden Version.
Zum EU-Betrieb gehört Ehrlichkeit: Die pauschale Zusage, dass nichts die EU verlässt, ist selten belegbar. Belegbar sind fünf Einzelpunkte: der Speicherort je Dienst, die Regelung administrativer Zugriffe, die Schlüsselhoheit, der vertragliche Mechanismus für Rest-Transfers und die Klausel zu Unterauftragnehmern. Wer diese fünf Punkte dokumentiert hat, besteht die Nachfrage. Wer nur die Pauschalzusage hat, besteht sie nicht.
Kriterium 24 verlangt ein Protokoll nach festem Schema. Die folgende Feldliste ist die Untergrenze für einen prüffähigen Betrieb. Jeder produktive Vorgang erzeugt genau einen Eintrag mit allen Feldern.
| Feld | Inhalt | Wozu es dient |
|---|---|---|
| Vorgangsnummer | eindeutige Kennung | Zuordnung über alle Bausteine hinweg |
| Zeitstempel | Datum und Uhrzeit in UTC | zeitliche Ordnung, Aufbewahrung |
| Nutzerrolle | Rolle statt Klarname | Rechtekontext ohne unnötigen Personenbezug |
| Anwendungsfall | Kennung des Use-Cases | Trennung mehrerer Systeme, Risikobezug |
| Modell- und Regelversion | eingesetzte Versionen | Reproduzierbarkeit, Fehlereingrenzung |
| Eingabe-Prüfsumme | Streuwert statt Klartext | Beleg ohne unnötige Datenspeicherung |
| Genutzte Belegstellen | Dokument, Abschnitt, Vertraulichkeitsstufe | Begründbarkeit der Antwort |
| Filterentscheidungen | welche Regel griff, mit Ergebnis | Nachweis der Schutzwirkung |
| Ausgeführte Aktion | geantwortet, verweigert, eskaliert | Grundlage der Aufsicht |
| Menschlicher Eingriff | wer, was, warum, oder leer | Beleg der Eingriffsmöglichkeit |
| Antwortzeit und Kosten | Millisekunden, Verbrauchswerte | Betriebs- und Kostensteuerung |
| Aufbewahrungsklasse | Frist je Eintrag | gesteuerte Löschung |
| Manipulationsschutz | verkettete Prüfsummen, Signatur | Beleg der Unveränderbarkeit |
Drei Betriebsregeln gehören dazu. Erstens: Einträge werden nur angehängt, nie geändert. Zweitens: Wer das Protokoll liest, wird selbst protokolliert. Drittens: Der Anteil vollständig protokollierter Vorgänge ist eine Kennzahl mit Zielwert 100 Prozent.
Die Tabelle verbindet jedes Kriterium mit den einschlägigen Regelwerken. Sie zeigt, dass der Check kein Selbstzweck ist: Wer die 37 Kriterien belegt, hat den Kern der Pflichten- und Normenlandschaft technisch unterlegt. Alle Zuordnungen sind Orientierung, keine Rechtsauskunft. ISO-Angaben nennen die thematisch nächstliegenden Regelungsbereiche.
| Nr. | KI-Verordnung (Orientierung) | ISO/IEC 42001:2023 | ISO/IEC 27001:2022 | OWASP LLM Top 10 (2025) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Art. 10 Daten-Governance | A.7 Daten | 5.9 Inventar | LLM04 |
| 2 | Art. 10 | A.7 Daten | 5.12 Klassifizierung | LLM02 |
| 3 | Art. 10 | A.7 Daten | 8.11 Datenmaskierung | LLM02 |
| 4 | Art. 10 | A.7 Daten | 5.33 Aufzeichnungen | LLM09 |
| 5 | Art. 15 Genauigkeit | Kap. 9 Bewertung | LLM09 | |
| 6 | Art. 10 | A.7 Daten | 8.10 Löschung | LLM02 |
| 7 | Art. 15 Robustheit | A.6 Lebenszyklus | 8.14 Redundanz | LLM10 |
| 8 | A.6 Lebenszyklus | LLM08 | ||
| 9 | Art. 12 i. V. m. Art. 15 | A.6 Lebenszyklus | 8.32 Änderungssteuerung | LLM07 |
| 10 | Art. 15 | A.6 Lebenszyklus | 8.26 Anwendungssicherheit | LLM01, LLM05 |
| 11 | Art. 12 Aufzeichnung | A.6 Lebenszyklus | 8.15 Protokollierung | |
| 12 | Kap. 9 Bewertung | LLM10 | ||
| 13 | Art. 15 Cybersicherheit | A.4 Ressourcen | 8.24 Kryptographie | LLM07 |
| 14 | Art. 15 | A.6 Lebenszyklus | 8.26 Anwendungssicherheit | LLM01 |
| 15 | Art. 15 | A.9 Nutzung | 5.15 Zugangssteuerung | LLM08 |
| 16 | Art. 15 | A.9 Nutzung | 8.12 Abflusskontrolle | LLM02, LLM05 |
| 17 | (DSGVO-Schnittstelle) | A.10 Dritte | 5.19 bis 5.23 Lieferanten | LLM03 |
| 18 | Art. 15 | A.10 Dritte | 8.8 Schwachstellen | LLM03 |
| 19 | Art. 26 Betreiberpflichten | Kap. 4, A.2 Politik | 5.9 Inventar | |
| 20 | Art. 6 Einstufung | Kap. 6, A.5 Folgenabschätzung | ||
| 21 | Art. 11 / Anhang IV | A.6 Lebenszyklus | 5.37 Betriebsverfahren | |
| 22 | Art. 50 Transparenz | A.8 Information | LLM09 | |
| 23 | Art. 14 und Art. 26 Aufsicht | A.9 Nutzung | LLM06 | |
| 24 | Art. 12 und Art. 26 Logs | A.6 Lebenszyklus | 8.15 Protokollierung | |
| 25 | Art. 26 (DSGVO-Schnittstelle) | A.10 Dritte | 5.19 Lieferanten | LLM03 |
| 26 | Art. 9 Risikomanagement | Kap. 8 Betrieb | 8.29 Testen | LLM09 |
| 27 | Art. 15 Genauigkeit | Kap. 9 Bewertung | LLM09 | |
| 28 | Art. 72 Beobachtung | Kap. 9 Bewertung | 8.16 Überwachung | LLM10 |
| 29 | Art. 15 Robustheit | Kap. 8 Betrieb | 8.13 Sicherung | |
| 30 | Art. 73 Vorfallsmeldung | Kap. 10 Verbesserung | 5.24 bis 5.26 Vorfälle | |
| 31 | Art. 9 | Kap. 8 Betrieb | 8.32 Änderungssteuerung | |
| 32 | Art. 72 | Kap. 9 Bewertung | 8.16 Überwachung | LLM09 |
| 33 | Art. 26 zweckgemäßer Einsatz | Kap. 6 Planung | LLM06 | |
| 34 | Kap. 9 Bewertung | |||
| 35 | Art. 14 (fachliche Aufsicht) | A.3 Rollen | ||
| 36 | Art. 72 (Rückmeldungen) | Kap. 10 Verbesserung | ||
| 37 | Art. 4 KI-Kompetenz | A.4 Ressourcen | 6.3 Schulung |
Das folgende Unternehmen ist fiktiv und typisiert. Es bündelt Muster, die in vergleichbaren Häusern wiederkehren.
Die „Elektro Nord GmbH“ (fiktiv), ein Hersteller von Schaltanlagen mit 900 Beschäftigten, hat einen Wissensassistenten für den technischen Kundendienst gebaut. Das System durchsucht Handbücher, Servicemeldungen und alte Tickets. Es schlägt den Technikern Antwortentwürfe vor. Der Pilot läuft seit fünf Monaten bei zwölf Nutzern. Der Vertrieb drängt auf die Ausweitung auf 140 Nutzer.
Die Bewertung mit diesem Check ergibt folgendes Bild.
| Dimension | Punkte | Wert (0 bis 10) | Ampel | Kernbefund |
|---|---|---|---|---|
| 1 Datenbasis | 7 von 12 | 5,8 | Gelb | Quellen erfasst, aber kein Schutzfilter-Test, keine Trefferquotenmessung |
| 2 Architektur | 8 von 12 | 6,7 | Gelb | Zugangsschicht vorhanden, Anweisungen aber im Code, keine Kostendrossel |
| 3 Sicherheit | 6 von 12 | 5,0 | Gelb | Tresor vorhanden, aber Suche ignoriert Nutzerrechte (Nr. 15 auf 0) |
| 4 Recht und Nachweis | 5 von 14 | 3,6 | Rot | Kein Inventareintrag (Nr. 19 auf 0), Protokoll nur teilweise (Nr. 24 auf 1) |
| 5 Betrieb | 6 von 14 | 4,3 | Rot | Kein Prüfset, keine gemessene Fehlerrate, Rückfallweg ungeübt (Nr. 29 auf 1) |
| 6 Organisation | 7 von 10 | 7,0 | Grün | Zweck klar, Fachbereich engagiert, aber kein Startwert der Kennzahl |
Zwei KO-Kriterien stehen auf 0: die durchgreifenden Zugriffsrechte (Nr. 15) und der Inventareintrag (Nr. 19). Die Freigaberegel greift. Der Rollout auf 140 Nutzer ist gestoppt, obwohl die Organisation grün ist und die Nutzer zufrieden sind.
Die Lückenliste macht daraus einen Plan mit drei Paketen. Paket eins: Rechte-Etiketten im Index nachziehen und mit zwei Testrollen belegen. Paket zwei: Inventareintrag und Risikoeinstufung erstellen, Protokollschema vervollständigen. Paket drei: Prüfset aus 150 echten Serviceanfragen aufbauen, Fehlerrate erstmals messen, Rückschaltung üben.
Nach acht Wochen zeigt die Nachmessung: Dimension 3 auf 7,5, Dimension 4 auf 7,1, Dimension 5 auf 6,4. Keine KO-Sperre mehr, alle Dimensionen über 6,0. Der kontrollierte Rollout startet mit einer Auflage: monatliche Stichprobe der Fehlerrate, bis drei Messungen stabil unter dem Zielwert liegen.
Der Punkt dieses Beispiels: Der Check hat den Rollout nicht verhindert. Er hat ihn um acht Wochen verschoben und dafür belegbar gemacht. Das ist der Tausch, den diese Arbeitshilfe anbietet.
Der Check bewertet ein einzelnes System zu einem Stichtag. Er ersetzt weder ein Managementsystem nach ISO/IEC 42001 noch eine Rechtsprüfung nach der KI-Verordnung. Die Zuordnungen in der Mapping-Tabelle sind Orientierung. Verbindlich wird eine Einstufung erst durch die juristische Bewertung im eigenen Haus.
Die Punktlogik ist bewusst grob. Sie unterscheidet drei Stufen, wo die Wirklichkeit feiner ist. Das ist gewollt: Die Dreistufigkeit zwingt zur Nachweisfrage und verhindert Scheingenauigkeit. Sie taugt aber nicht als alleinige Grundlage für Investitionsentscheidungen.
Der Check misst Kontrollen, nicht Nutzen. Ein System kann alle 37 Kriterien erfüllen und trotzdem wirtschaftlich sinnlos sein. Die Nutzenfrage gehört in eine eigene Rechnung.
Schwellenwerte wie die Freigabegrenze von 6,0 sind Erfahrungswerte für interne Assistenzsysteme. Bei Systemen mit Außenwirkung, mit automatischer Weiterverarbeitung oder in regulierten Bereichen sind sie strenger anzusetzen. Wer zweifelt, wählt die strengere Lesart und dokumentiert den Zweifel.
Das Kriterienraster wurde redaktionell aus den unten genannten Regelwerken und aus dokumentierten Ausfallmustern produktiver KI-Systeme entwickelt. Rechtsangaben geben den Stand Juli 2026 wieder und sind Orientierung, keine Rechtsberatung. Der Digital Omnibus on AI ist vom Rat gebilligt und unterzeichnet; verbindlich wird er mit der Veröffentlichung im Amtsblatt der EU, die im Juli 2026 noch ausstand.
Ein Briefing pro Woche: Entscheidungsfragen, eingeordnete Zahlen und Fristen. Ihre Adresse geben wir nicht weiter.
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